Wien. Die Rechnung geht nicht auf. Österreich hat 2012 rund 34 Milliarden Euro für das Gesundheitssystem ausgegeben, das sind 11,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Betrachtet man die Zeit seit 1990, steigen diese Ausgaben um fünf Prozent pro Jahr stetig an. Die Früchte dieser wachsenden Summe sollten - so möchte man meinen - sein, dass die Bevölkerung immer gesünder und fitter wird. Wird sie aber nicht.

Denn wenn man die gesunden Lebensjahre eines Menschen als Messfaktor heranzieht, schneidet Österreich im Vergleich der Industrieländer und EU-Staaten unterdurchschnittlich ab. Konkret sind es 59,4 Jahre, die man hierzulande ohne Krankheit lebt. Der EU-Durchschnitt liegt bei 60,7 Jahren. "Wir investieren sehr viel in die Gesundheit, das Ergebnis ist überschaubar", resümierte Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit in der Wirtschaftskammer Österreich. Gemeinsam mit dem niederösterreichischen Patienten- und Pflegeanwalt Gerald Bachinger und Bernhard Rupp, Leiter der Abteilung Gesundheitswesen in der Arbeiterkammer Niederösterreich, suchte er am Montag nach Lösungen. Und kam zu dem Schluss: Der "unübersichtliche Dschungel" an Gesundheitseinrichtungen müsse gelichtet werden. Das bereits im Vorjahr vorgestellte Konzept "Gesundheit 2020 - Patienten im Mittelpunkt" sei dafür weiterentwickelt worden.

Online Patientenportal

Eines der Grundprobleme sei, dass der Patient zwar frei Gesundheitseinrichtungen wählen könne, in unserem Gesundheitssystem aber viele Akteure neben- statt miteinander arbeiteten, so Gleitsmann. Das sei mit höheren Kosten und Doppelverschreibungen verbunden - oft zu Lasten des Patienten. Gleitsmann forderte mehr Transparenz im System sowie mehr Information. "Lieber ein gläserner Patient als ein toter", ergänzte Bachinger.

Besonders gefährlich sei, wenn sich Patienten Informationen willkürlich aus dem Internet holen. Gleitsmann, Bachinger und Rupp wollen zwar ebenfalls beim Internet ansetzen - allerdings mit einem Online-Patientenportal, das Informationen in gebündelter Form bieten soll. Dieses Tool soll "Angaben über Leistungen, Aus-, Weiter- und Spezialausbildungen und insbesondere auch über die Qualität des Anbieters" enthalten.

Angesprochen auf das bereits existierende Portal www.gesundheit.gv.at meinte Rupp: Dieses biete zwar diverse Informationen, sei aber zu unkonkret bei der Suche nach dem richtigen Ansprechpartner. Zudem sei es zu wenig bekannt. Ein weiteres Manko: "Es wird nur in Deutsch informiert - und zwar in gehobenem Deutsch. In Österreich lebt aber ein nicht unerheblicher Anteil an Personen, die Defizite in der Schulausbildung haben oder deren Umgangssprache nicht Deutsch ist. Wünschenswert wäre, eine einfache Sprache zu verwenden und ein erweitertes Angebot zumindest auf Englisch, Türkisch und Bosnisch/Serbisch/Kroatisch."

Telefonische Erstberatung

Wer lieber sofort einen persönlichen Ansprechpartner sucht, soll sich künftig auch an eine telefonische Beratungsstelle wenden können. Das Telefon- und Internetangebot soll unter einem einheitlichen, telefon- und webbasierten Erstberatungsservice (Teweb) zusammengefasst werden. Vorzeigeland ist die Schweiz, wo es bereits Services wie www.medgate.ch und www.medi24.ch gibt.

Geht es nach den drei Gesundheitsexperten, soll auch die Kommunikation unter den Ärzten transparenter funktionieren. Vorzeigebeispiel sei in diesem Fall das Landesklinikum Hainburg mit dem Projekt "CliniCenter". Bei der Visite stehen hier Ärzte nicht mehr mit handgeschriebenen Patientendaten, sondern mit Tablets in der Hand am Krankenbett. "Die Ärzte arbeiten mit der kompletten Krankengeschichte des Patienten, und die Gesundheitsdaten sind übersichtlich aufbereitet", sagte Bachinger. Freilich gehe damit ein höherer Zeitaufwand für die Dokumentation einher, aber: "Die Ärzte vor Ort wollen nicht mehr in die Zeit der Papierdokumentation zurück."

Damit Hand in Hand gehe freilich die rasche Umsetzung der Elektronischen Gesundheitsakte Elga. Statt ständig Ängste wie etwa vor Datenlecks zu schüren, sollten die Ärzte endlich auch die Vorteile kommunizieren, sagte Gleitsmann. Denn die damit geschaffene Transparenz sei "ganz zentral für eine verbesserte Qualität im Gesundheitswesen".