Wien. "Im Gesundheitssystem wurde vieles zerstört, aber dafür bislang kein Ersatz geboten. Die, die jetzt im System arbeiten, arbeiten auf einem Trümmerfeld." So niederschmetternd fällt das Urteil zur Gesundheitsreform von Christian Euler, Präsident des Hausärzteverbandes, aus. Euler selbst ist Allgemeinmediziner in Rust (Burgenland). Die Patienten kämen durch fehlende Ressourcen, durch fehlendes Personal, durch Auslagerungen zu Schaden, kritisiert Euler.

Als Beispiel nennt er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" einen Fall einer Diabetes-Patientin, die fast ihren Fuß verloren hätte. Aufgabe der Allgemeinmediziner sei es, einen abwendbaren, gefährlichen Verlauf einer Krankheit zu erkennen. Wenn so ein Fall vorliege und dieser an eine kompetente Stelle zugewiesen werde, wo aber nichts gemacht werde, außer dass die Patientin zurückverwiesen werde, vergehe kostbarste Zeit.Obwohl die Frage im Raum gestanden sei: "Kann die Patientin künftig auf dem eigenen Fuß stehen, oder wird er abgenommen." Der Fuß der Patientin habe am Ende gerettet werden können, weil sich der Allgemeinmediziner intensiv für diese eingesetzt und sie in einem anderen Krankenhaus außerhalb des Burgenlandes untergebracht habe.

Mehr und mehr komme es im österreichischen Gesundheitssystem darauf an, einen Fürsprecher zu haben, kritisiert der Hausärztevertreter und sprach einmal mehr von einer Entwicklung hin zu einer Zwei-Klassen-Medizin. An den Spitälern habe durch die Arbeitszeitregelungen eine Personalverdünnung eingesetzt. Einerseits werde in den Ambulanzen bereits abgebaut, andererseits gebe es aber keinen Ersatz im niedergelassenen Bereich, weil es noch keine Primärversorgungszentren gibt.

Diese geplanten Primärversorgungszentren sind dem Allgemeinmediziner ohnehin ein Dorn im Auge. Er befürchtet nämlich, dass dadurch auf Kosten der Ärzte in den Gemeinden, wenige Zentren errichtet werden, die für die Patienten nicht gut erreichbar wären. Euler glaubt auch, dass es schwierig werden wird, ausreichend Ärzte für solche Primary Health Care Zentren zu finden. Derzeit gibt es erst eines in ganz Österreich, nämlich in Wien Mariahilf. Für ein weiteres Zentrum in der Nähe des SMZ-Ost gebe es bisher wenig Interesse in der Ärzteschaft. Euler hofft noch immer, dass stattdessen Gruppenpraxen erleichtert werden und Ärzte andere Ärzte anstellen können. Derzeit werde nämlich nicht die Behandlung optimiert, sondern die Wirtschaftlichkeit. Eulers Fazit: "An den schwarzen Zahlen werden die Patienten mitzahlen."