Wien. Per Zug direkt zum Flug heißt es ab Sonntag mit dem Fahrplanwechsel für ÖBB-Fahrgäste aus Ober- und Niederösterreich. Der Fernverkehr erreicht dann auch den Flughafen Wien in Schwechat. Bis zu 15 tägliche Verbindungen wird es vorerst von (bzw. nach) Linz - über St. Pölten, Wien-Meidling und Wien-Hauptbahnhof - im Zwei-Stunden-Takt zum Airport geben. Die Fahrzeit von Linz beträgt eine Stunde und 47 Minuten. Aus St. Pölten sind es 50 Minuten.

Vom Hauptbahnhof fahren die Züge unter anderem über eine neue, 2,1 Kilometer lange Verbindungsstrecke in 17 Minuten zum Airport. Dort wurde der Bahnhof modernisiert und barrierefrei gestaltet. Die Bahnsteige wurden auf fernzugtaugliche 420 Meter verlängert.

In das Projekt (Trasse und Airport-Bahnhof) sind 180 Millionen Euro investiert worden. 60 Millionen davon hat die Flughafen Wien AG getragen, sagte Vorstand Günther Ofner am Freitag. Mit der Fernzuganbindung, die eine "essenzielle Verbesserung" sei, wolle man auch (dem Airport, Anm.) "München mehr Wettbewerb geben". 2020 wolle der Flughafen Wien 30 Millionen Passagiere zählen.

Unterschiedliche Verkehrsmittel würden miteinander verbunden, betonte Minister Alois Stöger (SPÖ). "Wir vervollständigen etwas und verleihen der Bahn Flügel." Die Strecke Linz-New York sei "mit einmal Umsteigen" zu bewältigen. "Wir vernetzen die Verkehrssysteme Flugzeug und Schiene", sagte ÖBB-CEO Christian Kern. Intermodales Reisen werde einfacher.

In einem Jahr soll der Fernverkehr zum Flughafen Wien nach ÖBB-Angaben auch erweitert werden. Dann werden vom Westen kommend Railjets und IC-Züge zweimal pro Stunde geführt. Damit würden mit Salzburg und Innsbruck zwei weitere Landeshauptstädte an den Flughafen Wien angebunden. Die Fahrzeit von Linz werde ab Dezember 2015 um fünf Minuten verkürzt. Salzburg werde mit einer Reisezeit von zwei Stunden und 39 Minuten ebenso wie Innsbruck (vier Stunden und 35 Minuten) näher an den Airport in Schwechat heranrücken. Aus dem Süden sollen die Verbindungen - mit Umsteigen am Wiener Hauptbahnhof - dann auf jene aus dem Westen abgestimmt werden.

Wie berichtet, halten ab Sonntag alle Fernverkehrszüge von und Richtung Süden (Steiermark, Kärnten, Italien, Slowenien), Osten (Budapest) und Norden (Brünn, Prag, Warschau) zusätzlich zu Wien-Meidling auch am Hauptbahnhof. Dieser ist auch der neue Start- und Zielbahnhof für alle Nacht- und Autoreisezüge.

Aus für Berlin und Lobau

Beim Fahrplanwechsel im Dezember 2015 wird dann der gesamte ÖBB-Fernverkehr über den Hauptbahnhof geleitet, mehr als 1100 Züge pro Tag. Am Westbahnhof bleiben nur noch die ÖBB-Regionalzüge und die Schnellbahn.

Und so stolz man auch bei den ÖBB auf bessere Verbindungen ist - die Direktverbindung mit Berlin wird fast zeitgleich mit der Fahrplanumstellung gestrichen: Nach 57 Jahren fährt am Samstag der "Vindobona" zum letzten Mal. Damit wird es außer einem Nachtzug keine direkte Verbindung auf der Schiene zwischen den beiden Städten mehr geben.

Gestrichen wird auch die S-Bahn-Verbindung in die Lobau: Die ÖBB lassen die Haltestelle der S80 mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag ersatzlos auf. Als Alternative gibt es die U2/S80-Station Stadlau, die rund einen Kilometer entfernt ist. Die "Bürgerinitiative S80 Lobau" organisiert am Samstag um 11 Uhr einen Stationswandertag, "um zu demonstrieren, dass die Alternative unbrauchbar ist". Treffpunkt ist die U2-Station Stadlau.Seite26