Heikles Thema Terrorismus

Bei aller Annäherung und allen freundlichen Tönen gab es aber auch genügend heikle Themen zu besprechen: etwa den Terrorismus. So macht Indien das Nachbarland für die verheerenden Anschläge in der indischen Finanzmetropole Mumbai (Bombay) 2008, bei denen über 160 Menschen getötet wurden, verantwortlich. Die Attentatsserie auf zwei Luxushotels und den Hauptbahnhof von Mumbai markierte damals einen neuen Tiefpunkt in den Beziehungen zwischen Pakistan und Indien. Auch Modi kritisierte nun, dass Pakistan die Untersuchung der Anschläge nicht genügend forciert habe und keinerlei rechtliche Schritte gegen die Drahtzieher der Attentate in Pakistan eingeleitet hätte.

Insgesamt versucht Modi mit seinem kühnen Vorstoß gegenüber Pakistan offenbar Befürchtungen entgegenzutreten, dass er mit einer feindlichen Politik gegenüber Moslems das multireligiöse Indien polarisieren und vom islamischen Nachbarn Pakistan weiter entfremden könnte. Modi wird beschuldigt, als früherer Regierungschef des Bundesstaates Gujarat bei den religiösen Unruhen zwischen Hindus und Muslimen 2002 nichts unternommen zu haben, um den Blutrausch zu stoppen, bei dem über 1000 Menschen - die meisten von ihnen Muslime - auf grausame Weise starben.

Kabinett der Technokraten

Modis hindunationalistische Bharatiya Janta Partei (BJP) hatte vor knapp zwei Wochen die Parlamentswahlen mit einem Überraschungssieg gegen die Kongresspartei gewonnen und das stärkste Wahlmandat einer Partei in der letzten 30 Jahre eingefahren. Der extreme Flügel der Partei kämpft für ein hinduistisches Indien und wird von Kritikern als faschistisch bezeichnet. Modi selbst gehört seit seiner Jugend der hinduistischen Kulturorganisation Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS) an, die wegen ihrer radikalen Ausrichtung bereits dreimal verboten wurde. Ein RSS-Mitglied erschoss 1948 Indiens ikonischen Unabhängigkeitskämpfer Mahatma Gandhi, weil dieser angeblich die Interessen der Hindus verraten hatte. Modis neues Regierungskabinett bot jedoch dem rechten Parteiflügel keinen Platz - das zur Vorgängerregierung stark verkleinerte Gremium mit nur 45 Ministern ist von technokratischen Politikern dominiert.

Die Angst vor Modi ist aber trotzdem noch nicht verflogen: Kurz nach seinem Wahlsieg hatte Modi mit einer Triumph-Feier am heiligen Ufer des Ganges-Flusses in Varanasi erneut Befürchtungen geschürt, dass Indien unter seiner Führung von einer radikalen Hinduismus-Welle erfasst werden könnte, die die religiösen Minderheiten trifft.