Neu-Delhi. Indien, die größte Demokratie der Welt, steht vor einem historischen Machtwechsel: Bei der Parlamentswahl fuhren die Hindu- Nationalisten einen Erdrutsch-Sieg ein. Die bisherige Oppositionspartei BJP und ihr unternehmerfreundlicher Spitzenkandidat Narendra Modi erreichten 282 der 543 Parlamentssitze und damit eine absolute Mehrheit im indischen Unterhaus .

Seit 30 Jahren hat das keine Partei mehr geschafft. Die bisher regierende Kongresspartei des Gandhi-Clans, die die Geschicke der Atommacht seit der Unabhängigkeit 1947 die meiste Zeit lenkte, sieht einer noch nie dagewesenen Niederlage entgegen. Die von der mächtigen Nehru-Gandhi-Familie gelenkte Partei wird nach Angaben der Wahlkommission nur etwa 46 Wahlkreise für sich entscheiden.

Name Abk. Stimmen % Sitze
Bharatiya Janata Party BJP 171.657.549 31,0 % 282
Indischer Nationalkongress INC 106.938.242 19,3 % 44
All India Anna Dravida Munnetra Kazhagam> AIADMK 18.115.825 3,3 % 37
All India Trinamool Congress AITC 21.259.684 3,8 % 34
Biju Janata Dal BJD 9.491.497 1,7 % 20

Die größte Wahl der Menschheitsgeschichte
Insgesamt hatten in den vergangenen Wochen mehr als eine halbe Milliarde Inder abgestimmt, 815 Millionen waren wahlberechtigt. Damit handelte es sich um die größte Wahl der Menschheitsgeschichte. Die Wahlbeteiligung lag mit 66 Prozent so hoch wie nie zuvor in Indien.

Das Votum ist eine schallende Ohrfeige für die Kongresspartei und macht den Wunsch vieler Inder nach besseren Wirtschafts- und Lebensverhältnissen deutlich. Die Menschen in dem 1,2 Milliarden Einwohner zählenden Land leiden derzeit unter rasant steigenden Lebensmittelpreisen, ausufernder Korruption und hoher Arbeitslosigkeit. Modi, der als Regierungschef im Bundesstaat Gujarat große Unternehmen ansiedelt, präsentierte sich im Wahlkampf als Anpacker, der das Land reformieren kann, Straßen und Stromleitungen baut und finanzstarke Investoren ins Land holt.

"Das ist ein historisches Ergebnis. Es zeigt, dass die Stimmung im Land sich gegen Korruption wendet und gegen eine dynastische Politik", sagte BJP-Gründer und Parteichef L.K. Advani. Damit meinte er Kongresspartei-Chefin Sonia Gandhi und Sohn Rahul Gandhi, der die Kongress-Partei im Wahlkampf anführte. Beide übernahmen die Verantwortung für die Niederlage, ohne zunächst direkte Konsequenzen anzukündigen. "Es gibt viel, über das wir nachdenken müssen", sagte Rahul Gandhi. "Das ist ein klares Mandat gegen unsere Partei", fügte seine Mutter hinzu.

Freudenfest in Neu Delhi
Indiens Noch-Premierminister Manmohan Singh gratulierte Modi bereits vor Ende der Stimmenauszählung telefonisch zum Wahlsieg. Modi, der in den nächsten Tagen zum Premierminister aufsteigen dürfte, meldete sich zunächst nur auf Twitter zu Wort. "Indien hat gewonnen! Eine gute Zeit ist angebrochen", schrieb er.