Vor der BJP-Parteizentrale in Neu Delhi trommelten, sangen und tanzten die Menschen den ganzen Tag lang ununterbrochen. "Modi, Modi", riefen sie. Zirkusdarsteller liefen auf Stelzen umher, während andere Parteifreunde Feuerwerke zündeten. Köche hatten 2,5 Tonnen Laddus vorbereitet, kugelige Süßspeisen, die traditionell bei Feiern gegessen werden. Die Menschen steckten sie sich gegenseitig in den Mund - ein Ritual in Indien, um sich zu gratulieren.

Zahlreiche Christen und Muslime fürchten mit dem Sieg der Hindu-Nationalisten eine stärkere Ausgrenzung religiöser Minderheiten. "Die hindunationalistischen Strömungen bedrohen seit vielen Jahren die Religionsfreiheit im Lande und haben in der Vergangenheit immer wieder zu gewalttätigen oder gar pogromartigen Übergriffen auf Muslime und Christen geführt", sagte Bettina Leibfritz, Indien-Referentin des Internationalen Katholischen Missionswerks missio. Die Vielfalt und der Pluralismus des Landes seien in Gefahr.

Die Wahlkommission erwartete, die 1,8 Millionen elektronischen Wahlmaschinen an einem Tag komplett auszulesen. "Man muss nur einen Knopf drücken, um das Ergebnis jeder Maschine zu erhalten, und dann werden die Ergebnisse zusammengetragen", sagte Rajesh Malhotra von der Wahlkommission. Wann die Endergebnisse vorliegen, war zunächst unklar. Insgesamt hatte sich die Abstimmung über fünf Wochen hingezogen, damit Wahlhelfer die gigantische Wahl organisieren und Sicherheitskräfte die Wahllokale bewachen konnten. Angetreten waren 8.251 Kandidaten, darunter 668 Frauen und fünf Transsexuelle.

Kongresspartei räumt Niederlage ein
Indiens Kongresspartei hat bei der Parlamentswahl eine historische Niederlage eingeräumt. "Wir akzeptieren den Willen der Wähler, heißen ihn willkommen und sehen unsere Niederlage ein", sagte der führende Kongresspolitiker Satyavrat Chaturvedi laut der Nachrichtenagentur IANS am Freitag.

Parteisprecher Rajeev Shukla sagte dem Nachrichtensender NDTV: "Die Trends sind sehr enttäuschend. Wir steuern auf das schlechteste Ergebnis in sehr vielen Jahren zu. Wir akzeptieren die Niederlage. Wir sind bereit, in die Opposition zu gehen."