Ja, das war zu dieser Zeit generell tabu, aber in meiner Familie vielleicht ein bisschen mehr. Meine Großmutter hat mich wirklich sehr geliebt - und ich sie ebenfalls. Wenn ich gefragt werde, weshalb ich so lange nicht im Iran war, antworte ich: ihretwegen. Für mich war sie meine Heimat, genauso wie meine Mutter, die nach dem Tod meines Vaters ebenfalls in Wien gelebt hat. Erst als beide gestorben waren, kamen diese Tendenzen, vielleicht doch wieder einmal in den Iran zu reisen.

Was dann auch geschehen ist, als Sie nach 47 Jahren erstmals wieder in den Iran gefahren sind, im Zuge dessen dann die beiden Dokumentarfilme "Rote Rüben in Teheran" und "Die Liebenden von Balutschistan" entstanden sind.

Ja, beide Dokumentationen habe ich gemeinsam mit meinem Sohn Tom-Dariusch realisiert, wobei "Rote Rüben in Teheran" wohl mein persönlichster Film ist. Der Titel rührt übrigens von einer meiner stärksten Kindheitserinnerungen her. Ähnlich wie in Wien im Winter auf den Straßen gebratene Maroni verkauft werden, gibt es in Teheran gegrillte rote Rüben. Allein dieser Duft weckte unzählige Erinnerungen.

Eine ziemliche Überraschung dürfte es gewesen sein, als Sie in Teheran das Filmmuseum besucht hatten . . .

Ja, da glaubte ich tatsächlich meinen Augen nicht zu trauen: In der Eingangshalle hing ein riesengroßes Bild von meinem Urgroßvater an der Wand! Darunter stand zu lesen, dass er den Film nach Teheran gebracht und das erste Kino der Stadt betrieben hatte. Ich konnte es einfach nicht fassen! Nicht nur, dass mein Urgroßvater nie davon erzählt hatte, letztlich war er es, der mir strikt verboten hatte, Regie zu studieren. Dabei war er selbst so ein Filmnarr.

Haben die Dreharbeiten im Iran alte Heimatgefühle geweckt?

Nicht nur die Dreharbeiten. Ich bin in zweiter Ehe nun mit Mojgan verheiratet, sie ist wie ich iranischer Abstammung und ich spüre, dass die Verbindung zur Sprache und Kultur nun wieder sehr präsent ist. Obwohl ich in Wien sehr glücklich bin, zieht es mich wieder mehr in mein Heimatland. Diese Sehnsucht wächst.