Wer sich jetzt denkt: "Was kümmert mich Mario Draghi?", dem sollte klar sein, dass es die EZB ist, die dafür sorgt, dass die jeweilige Hausbank am nächsten Tag auch tatsächlich wieder aufsperrt. Ein Nachteil der Zentralbanken ist es, dass sie ihre (erforderlichen) Regeln in Organisationen gießen müssen - und Organisationen sind per se träge und bürokratisch.

Genau das wird 2015 die Herausforderung sein, denn die EZB muss die Geschäftsbanken endlich dazu bringen, das quasi zinsenlose Geld in Form billiger Kredite an Private und Firmen zu bringen. Banken sind dazu da, Risiko zu finanzieren, das tun sie derzeit nicht. Da drei Viertel der Unternehmensfinanzierung in den 18, bald 19 Euroländern über Kredite laufen, müssen die Banken funktionieren, wenn die Wirtschaft funktionieren soll. 2015 wird also für die Zentralbanken das Jahr der Pädagogik - Banken müssen wieder lernen, was sie in den sieben Jahren Krise vernachlässigt haben.

"Wir würden ja gerne, aber es gibt keine Kreditnachfrage", sagen die Geschäftsbanken und verweisen auf die miserablen Wirtschaftsdaten. Die geben ihnen recht, aber nur scheinbar. Es gibt ausreichend Start-ups, die Geld benötigen würden, aber die Banken scheuen das Risiko. Was ungefähr so ist, als würde David Alaba erklären, er würde gerne bei Bayern München spielen, sei aber allergisch gegen Fußbälle.

Es wird 2015 die Kunst der EZB sein, jene Innovationsfreude, die bisher nur Investmentbanken gezeigt haben - und damit oft in finanzielle Desaster geraten sind -, auf Geschäftsbanken zu konzentrieren, die ein solides Einlagen- und Kreditgeschäft verfolgen. "Crowdfunding" ist so eine Innovation, die neben den Banken entstanden ist, weil diese dazu nicht imstande sind. Das Argument der schwachen Kreditnachfrage ist unabhängig davon auch richtig. Und hier steht das Schild: "Sie verlassen jetzt die Zentralbanken-Zone."

2015 wird wohl - wenn der Glücksplanet Jupiter hält, was die Astrologen versprechen - das Jahr des zurückgewonnenen Vertrauens werden. Europas Bürger, derzeit vereint in großer Unsicherheit, sollten jene Europäische Union, die geschaffen wurde, um Wohlstand zu vermehren und Leid zu verringern, als Ur-Grund des hohen Lebensstandards begreifen.

Das bedeutet eine signifikante Änderung der Politik, national und auf europäischer Ebene. 2015 wird EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker beweisen müssen, dass er es besser kann. Ob sein Investitionspaket funktioniert, wird sich im Frühjahr weisen. Die EU steht 2015 aber vor weiteren Herausforderungen, die Jupiter als astrologischen Glücksbringer ganz schön fordern und wesentliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung Europas, aber auch der Welt haben werden.

Da ist die recht unverhohlene Einmischung Putins in die europäische Politik. Russische Oligarchen, die ihm nahestehen, unterstützen und finanzieren rechtsnationale und (bestenfalls) -populistische Organisationen in den EU-Staaten, 2014 mit einigem Erfolg. Ein Millionen-Kredit für den Front National in Frankreich wurde publik. Die FPÖ, die rechte Pegida-Bewegung in Deutschland, die britische Ukip sind voll des Lobs für Putin. Sie haben eines gemeinsam: Sie wollen die EU zerstören, sitzen aber gleichwohl im EU-Parlament.

Bei der rechten Ukip geht es schon 2015 um viel. Am 7. Mai stehen Parlamentswahlen an. Ein starkes Abschneiden der Ukip gäbe wohl den EU-Ausstiegsfantasien in London Auftrieb. Sollte Premier David Cameron die Wahl verlieren, wäre dies für die EU kein sonderlicher Verlust. Die große Frage wird sein, was Labour macht, wenn sie stärkste Partei wird.

Das hat mit Zentralbanken, noch mehr mit der wirtschaftlichen Entwicklung auch in Österreich zu tun. Ein starkes Wahlergebnis für die Ukip würde die Börse in London auf Talfahrt schicken. Die ist aber leider der größte Aktienmarkt in der EU und würde alle anderen EU-Finanzmärkte in Mitleidenschaft ziehen. Sprich: Es würden Milliardenwerte vernichtet.

Da dies jedoch eine Trendschau ist und der astrologische Jahresregent Jupiter heißt, müsste eigentlich Ukip schlecht abschneiden, Putin seine unheilvolle "geheime Außenpolitik" beenden und die EU sich auf das Investitionspaket und die Schaffung von Jobs konzentrieren. Mit dem "Europäischen Semester", wie die Budgetkontrolle der Mitgliedstaaten im EU-Jargon genannt wird, ist es nicht getan. Mit "Quantitative Easing", wie der Kauf von Anleihepapieren durch die EZB im Zentralbanker-Jargon heißt, auch nicht. Selbst wenn dieses eine Billion Euro umfasst.

Um Jupiter als Herrscher über die Götter und Glücksbringer 2015 voll zur Geltung zu bringen, muss Europa beginnen, von den Hirnen in die Herzen einzudringen. Wenn dies gelingt, werden - so kurios es klingt - die Arbeitslosigkeit sinken und die Investitionstätigkeit steigen. Konjunkturpakete, Steuerentlastungen, alle Arten von Reformen in Bildung, Forschung und bei Pensionen sind dann Handwerk. 2015 ist ein so anspruchsvolles Jahr, dass es eigentlich darauf angelegt ist, den Menschen klarzumachen, wofür etwas passiert. Manchmal wird es notwendig sein, auf Erreichtes zu verzichten, und auch das ist möglich, wenn die Menschen erkennen, dass dies einen Sinn hat.

Griechenland wird weiterhin die Unterstützung der anderen EU-Länder benötigen, und es ist richtig so. Niemand in Österreich wäre bereit, darauf zu verzichten, worauf die Griechen verzichten mussten, um die Hilfsmittel zu erhalten. Niemand in Österreich möchte sich eine Jugendarbeitslosigkeit von mehr als 50 Prozent vorstellen. Wenn Spaniens Jugendliche die Solidarität der europäischen Bürger bekommen, weil es für alle gut ist, wenn die EU prosperiert, dann werden sich Unternehmen überall in der EU ansiedeln wollen.