Wenn die Universitäten der europäischen Länder kuriose Bestimmungen abbauen, die ein grenzüberschreitendes Bologna-Studium unmöglich machen, dann werden junge Forscher aufhören, den Kontinent zu verlassen, und mit ihren Ideen die Industrie der Zukunft aufbauen.

Das alles würde 2015 überfordern, aber es ist ein gutes Jahr, um damit zu beginnen. 2014 war übrigens der astrologische Jahresregent Saturn. Ein harter Knochen, den Astrologen als Hüter der Disziplin, der Realität und der Herrschaft der Tagesordnung beschreiben. Der Hundertjährige Kalender beschreibt Saturn-Jahre als kalt und feucht. Sogar das stimmte.

Das glücklichere Jupiter-Jahr 2015 wird dagegen warm und fantasievoll. Wer das nicht glaubt, sei an die Prognose der Zentralbanker erinnert: Im Dezember 2013 erwartete die Nationalbank für 2014 ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent, für 2015 wurden 1,9 Prozent erwartet. Im Dezember 2014 sah es so aus: Wachstum 2014 tatsächlich bei 0,4 Prozent, und für 2015 werden nur noch 0,7 Prozent erwartet.

Zwischen diesen Werten liegen Milliarden. Wenn aber die Welt auch für die profanen Institutionen unberechenbar geworden ist, so gewinnt die Astrologie an Boden. 2015 ist das Jahr des Jupiter, des Glücksbringers. Das klingt freundlich, und wird gekauft. (2016 kommt übrigens Mars, aber das klingt bedrohlicher, als es ist - sagen die Astrologen.)

Reinhard Göweil, geboren 1960 in Linz, ist seit 2009 Chefredakteur der "Wiener Zeitung", zuvor leitete er das Wirtschaftsressort im "Kurier".