Der Künstler lernte einen einflussreichen Mann kennen, der etwas zwischen Galerist, Mäzen, Sammler und Investor ist - oder alles auf einmal. Dieser hat mit einer Firma viel Geld gemacht und umgibt sich jetzt gerne mit jungen Künstlern. Er kennt andere reiche Männer sowie einige Hollywood-Stars. Ihnen macht er Arbeiten seines neuen Schützlings schmackhaft - nachdem er sich selbst das Vorkaufsrecht auf zwei oder drei Dutzend der großformatigen Bilder gesichert hat. Zu einem Zeitpunkt, als der Künstler noch unbekannt und sein Erfolgshunger groß war. Zu einem Preis, der zwar nicht geschenkt war, dessen Steigerungspotenzial sich aber erst zeigen wird: 3000 Prozent nach nur zwei Jahren. Und das ist keine Fiktion. Es gibt wohl wirklich keinen anderen Markt, auf dem solche Gewinnsteigerungen vorkommen.

Das Sonderbare an der Geschichte ist: Es gibt keinen für Außenstehende nachvollziehbaren Grund für diese Preisentwicklung - sie ist das Resultat von Strategien, Positionierungen und offenbar auch Absprachen, beruht aber nicht unbedingt auf der Qualität der Arbeiten des Künstlers. Nach ein, zwei Jahren landen sie im Auktionshaus. Das ist keine Endstation, kein Ramsch-Laden, aber die Auktion offenbart den momentanen Marktwert einer Arbeit. Das Gemälde hatte der Mäzen vor drei Jahren um 1000 Dollar gekauft, inzwischen wechselte es mehrfach den Besitzer. Versteigert wird es schließlich um 300.000 Dollar - binnen kürzester Zeit eine immense Wertsteigerung, die besonders Spekulanten anzieht. Inzwischen sind Ausstellungen des Künstlers restlos ausverkauft, noch bevor sie zu sehen sind. Die Interessenten sind bereit, weit mehr als den Marktpreis zu bezahlen.

So weit der glamouröse Teil der Geschichte. Wie Inhaber der Bilder darauf reagieren, wenn einmal schlechtere Ergebnisse erzielt werden, kann man sich ausrechnen: Es wird mit einem Mal viel abgestoßen, sofern helfende Hände den Verfall nicht aufhalten. Dann wird sich zeigen, wer die wahren Kunst-Liebhaber sind, oder zumindest wer an den längerfristigen Erfolg des Künstlers glaubt. Von der aufrichtigen Wertschätzung seiner Kunst hat der Künstler dann auch nicht mehr viel. Aber immerhin.

Anna Soucek, geboren in Wien, hat Kunstgeschichte studiert, Ausstellungen kuratiert und das "forum experimentelle architektur" mitbegründet. Seit 2004 ist sie freie Mitarbeiterin bei Ö1 und schreibt auch Texte für Printmedien wie "KONstruktiv" und das "QUER-Magazin für Architektur und Urbanes".