Der unerfüllte Traum vom gleichberechtigten Partner

Dieser Traum ging nicht nur nicht in Erfüllung - unter dem Banner von Demokratie und Privatisierung kam es in den 1990er Jahren zur Ausplünderung Russlands und zur Verelendung weiter Bevölkerungskreise. Während die ehemaligen osteuropäischen Satellitenstaaten zu stabilen Demokratien wurden, versank Russland im Chaos. Die alte russische Frage "kto winowat?" - wer ist schuld? - wurde wieder gestellt. Neben Politikern und jüdischen Oligarchen wurde dabei auch wieder dem Westen die Schuld an der Misere zugeschoben.

Denn auch der Traum vom gleichberechtigten Partner hatte sich nicht erfüllt: Moskau war in den 1990er Jahren zum Bittsteller beim Internationalen Währungsfonds herabgesunken. Und der Westen, insbesondere die USA, scherte sich nicht um russische geopolitische Interessen. Entgegen gegebenen Zusagen wurde die Nato Zug um Zug nach Osten erweitert - das (mehr als verständliche) Sicherheitsbedürfnis der neuen Nato-Mitglieder in Osteuropa hatte Vorrang vor russischen Bedenken vor einer Einkreisung. Zudem suchten amerikanische Konzerne, ihren Einfluss auch im ehemals sowjetisch beherrschten Zentralasien offensiv geltend zu machen. Vor allem aber die Kündigung des ABM-Vertrags zur Begrenzung von Raketenabwehrsystemen bestärkte in Moskau die alte Vorstellung vom Feind im Westen. Den offiziellen Nato-Bekundungen, der auch heute noch geplante Raketenabwehrschild würde sich nicht gegen Russland, sondern gegen "Schurkenstaaten" wie den Iran richten, schenkte man im Kreml keinen Glauben - zumal auch in der US-Zeitschrift "Foreign Affairs" ein Beitrag erschien, der den Schild, der in Osteuropa installiert werden sollte, als einen Versuch der USA beschreibt, die russische Zweitschlagsfähigkeit auszuschalten.

Das atomare Gleichgewicht - und damit wohl Russlands letzte Trumpfkarte - wäre dann weg. Auch die Finanzierung zahlreicher "farbiger Revolutionen" im Umkreis Russlands wie die Unterstützung der Maidan-Bewegung in der Ukraine stärkten in Moskau jene Kräfte, die es immer schon gewusst haben: "Wir müssen verstehen, dass sie uns nie in Ruhe lassen", heißt es in einem Film des "Russischen Instituts für Strategische Forschungen" (RISS) über den Westen. Es sei nötig, stets gerüstet zu sein. Der Titel des Films lautete: "Feind vor der Tür". Das Forschungsinstitut, das für den Kreml arbeitet, wurde bezeichnenderweise zu Jahresbeginn 2012 gegründet - kurz vor Putins dritter Amtszeit. Es war der Moment, wo sich in Moskau - nach der vergleichsweise liberalen Präsidentschaft Medwedews - endgültig die Falken durchgesetzt hatten. Es sieht so aus, als ob sie dort noch lange kreisen - mit oder ohne Putin.