Klimawandel.

Illustration: Peter M. Hoffmann
Illustration: Peter M. Hoffmann

Eine der tiefen Ursachen des Aufstands in Syrien, der am 15. März 2011 aufflackerte und sich seither zum Flächenbrand mit mindestens 250.000 Todesopfern ausgewachsen hat, war eine extreme Dürre, die das Land zwischen 2006 und 2009 heimsuchte. Diese Dürre hat neben dem politischen und wirtschaftlichen Missmanagement eine ländliche Unterschicht, deren Grund und Boden trockengefallen war, zu Hunderttausenden in die Städte getrieben. Die deklassierten Massen fanden in den Vorstädten aber kaum Arbeit und in den Städten stand die Wasserversorgung ohnehin auf der Kippe - die Infrastruktur Syriens ächzte unter dem Ansturm von rund 1,5 Millionen Schutzsuchenden aus dem Irak. Die Wissenschafterin Suzanne Saleeby schrieb in einem Artikel für das Online-Magazin des Arab Studies Institute "Jadaliyya", dass das Versagen des Regimes, die Folgen der Dürre zu managen, neben der brutalen Repression der wichtigste Grund für die Massenmobilisierung des Protests gegen das Assad-Regime war. "Syrische Städte waren jene Kreuzungen, wo die Unzufriedenheit der Arbeitsmigranten vom Land sich mit jener der entrechteten Städter traf und die Frage nach der Natur und Verteilung von Macht aufwarf", analysiert Saleeby. Der Konflikt in Syrien kann somit als "ein Krieg der Peripherie und der Marginalisierten gegen das Zentrum" interpretiert werden, erklärt der Strategie-Experte und frühere Anti-Terror-Koordinator im US-Außenministerium David Kilcullen in seinem Buch "Out of the Mountains".

Die wahrscheinlichsten Szenarien für die Zukunft der Region sind allesamt nicht besonders rosig: Die Kriegswirren in Syrien werden Jordanien, die Türkei und den Libanon weiter in Mitleidenschaft ziehen, selbst wenn 2016 die Waffen schweigen sollten, wozu nach den jüngsten Syrien-Verhandlungen in New York begründete Hoffnung besteht.

Doch nicht nur die Aussichten für Syrien und den Irak sind düster: Ägypten ist unter der Herrschaft des aus der Armee rekrutierten Präsidenten Abdel Fattah el-Sisi in tiefe Stagnation versunken, die Lage des Landes ist heute verzweifelter als zur Zeit des am 11. Februar 2011 von der "Generation Tahrir" hinweggefegten Präsidenten Hosni Mubarak. Die Tourismusindustrie dümpelt dahin, die Devisenreserven schrumpfen und die Hoffnungen auf das Engagement ausländischer Geldgeber schwinden. Das Leistungsbilanzdefizit liegt derzeit bei rund 20 Milliarden Dollar. Die einzige Hoffnung des Landes ruht derzeit auf der Entwicklung des riesigen Gasfelds Zohr durch die italienischen Ölkonzern ENI, der Ägypten von einem Gasimporteur zu einem Gasexporteur machen würde.

Und wie wird es in Saudi-Arabien, dem wohl wichtigesten Player der arabischen Halbinsel, weitergehen? Die Politik der Herrscher des Königshauses erweist sich auch nach dem Tod von König Abdullah ibn Abd al-Aziz am 23. Jänner 2015 und der Thronbesteigung durch König Salman ibn Abd al-Aziz weiter als sklerotisch und stockkonservativ.

Zuletzt zeigte sich der deutsche Bundesnachrichtendienst BND darüber besorgt, dass "die bisherige vorsichtige diplomatische Haltung der älteren Führungsmitglieder der Königsfamilie durch eine impulsive Interventionspolitik ersetzt" werde. Architekt dieser Politik ist aber nicht ein Vertreter der alten Garde der Königsfamile, sondern der erst 30 Jahre alte Vizekronprinz und Verteidigungsminister Mohammed bin Salman.

Der Potenzial für politische Reformen im Iran wiederum macht das Land zu einem Aufstiegskandidaten in die Liga der Regionalmächte. Diese Entwicklung wird einerseits zu vermehrten Spannungen mit Saudi-Arabien führen, die die Gefahr einer bewaffneten Konfrontation zwischen beiden hochgerüsteten Ländern in sich birgt; andererseits werden auch die Animositäten zwischen Ankara und Teheran zunehmen.

Dass die Türkei zuletzt immer mehr die Nähe zu Saudi-Arabien gesucht hat, und Russland - ein wichtiger Verbündeter Teherans - bei seinem Versuch, über ein verstärktes Engagement in Syrien wieder stärker im Nahen Osten zu fassen, erfolgreich war, verkompliziert die Lage weiter.

Der Krieg in Syrien und dem Irak ist nicht ohne Grund als Stellvertreterkrieg zwischen dem schiitischen Iran und dem sunnitischen Saudi-Arabien interpretiert worden. Dass auch der Krieg im Jemen zwischen den schiitischen und vom Iran unterstützten Huthie-Rebellen und der von Saudi-Arabien, Ägypten, Jordanien, Marokko und Pakistan unterstützten Regierung von Abed Rabbo Mansur Hadi ebenfalls und nicht ganz zu Unrecht als Stellvertreterkrieg zwischen Teheran und Riad gedeutet wird, ist ein weiteres Alarmsignal. Die saudische Militärintervention zugunsten der sunnitischen Machthaber in Bahrain zur Niederschlagung einer Rebellion der schiitischen Bevölkerungsmehrheit im Land passt ebenso ins Bild einer sich immer weiter zuspitzenden Rivalität zwischen Iran und Saudi Arabien.

Eine zentrale Zukunftsfrage betrifft die Rolle des politischen Islam in der Region: Von der 2013 für ihre Nähe zur Muslimbruderschaft verbotenen Freiheits- und Gerechtigkeitspartei in Ägypten über Ennahda in Tunesien, Hamas in Gaza, bis hin zur AKP in der Türkei war in den vergangenen Jahren ein Erstarken islamischer Parteien zu beobachten. Wohin werden sich diese Parteien entwickeln? Könnte Pragmatismus eines Tages über die Ideologie obsiegen?