In einem Post-Assad-Syrien könnte eine urbane sunnitische Partei eines Tages in einer Koalition mit Elementen der Muslimbruderschaft und religiösen Minderheiten wie Drusen, Kurden und anderen regieren, wie das schon in den 1960er Jahren, vor dem Putsch der Baath-Partei von Bashar al-Assads Vater Hafez der Fall war.

Auch für den Irak ist eine Beteiligung von Kurden und Sunniten an der Macht die einzige Chance dafür, dass das Land nicht von der Landkarte verschwindet.

Das Entstehen eines Kurdenstaates, der sich zuerst aus den heutigen Siedlungsgebieten in den Staaten Irak und Syrien zusammensetzen würde und dem sich später auch die auf dem Territorium der Türkei und des Iran lebenden Kurden anschließen könnten, ist für die Zukunft äußerst wahrscheinlich. De facto operiert die Kurdische Regionalregierung im Nordirak schon heute wie ein selbstständiger Nationalstaat, und auch Rojava ("Westkurdistan") auf dem Gebiet des syrischen Nationalstaates ist so gut wie unabhängig. Mit politischen Querelen zwischen Kurden und Türken sowie Kurden und dem Iran ist somit für die Zukunft zu rechnen. Dass das Entstehen eines Kurdenstaates ohne bewaffnete Auseinandersetzung vonstatten gehen könnte, ist nach den Gepflogenheiten der Region allerdings ins Reich des Wunschdenkens zu verweisen.

Ein nicht unrealistischer Zerfall des Irak und Syriens bei gleichzeitig aus der Erbmasse beider Ländern neu entstehenden Staatsgebilden hätte wohl eine Prolongierung der bewaffneten Konflikte im Nahen Osten zur Folge. In einem aus dem Jahr 2012 datierten Bericht des "National Intelligence Council" - eine Art Think-Tank der US-Geheimdienste - rechnen die Autoren des Berichts mit fortgesetzter chronischer Instabilität in der Region: Einer Schwächung der Staaten steht ein Trend in Richtung Islamismus, Konfessionalismus und Tribalismus gegenüber.

Gibt es denn gar keinen Hoffnungsschimmer, etwa zumindest die Lösung des Palästinenserkonflikts? Leider nein.

Die Region ist seit den späten 1970er Jahren im Dauerkriegszustand und es besteht wenig Hoffnung, dass sich daran bis 2025 etwas grundlegend ändert. Aber eines zeigen die jüngsten Verhandlungsergebnisse im Syrien-Konflikt in New York: Zuletzt ist es zumindest gelungen, das Schlimmste, nämlich eine weitere Eskalation des Konflikts von einem regionalen Konflikt zu einem Konflikt der der Großmächte, zu verhindern.

100 Jahre nach dem Sykes-Picot-Abkommen werden diese Grenzen mit Blut neu gezeichnet.