Zum Beispiel Donald Trump, dem mittlerweile realistische Chancen eingeräumt werden, die Nominierung zu gewinnen: Seit Bekanntgabe seiner Kandidatur tut der Immobilienhai - außer Latinos, Schwarze, andere Kandidaten und ganze Religionen zu beleidigen - nichts anderes, als seinen Landsleuten zu erzählen, dass es praktisch kein Problem auf der Welt gäbe, dass sich nicht allein dadurch lösen ließe, ihn zum Präsidenten zu wählen.

Jeder, der Trump schon einmal live erlebt beziehungsweise sich länger mit seiner Person auseinandergesetzt hat, weiß, dass er das wirklich selber glaubt. Ebenso wie Ben Carson, eine pensionierte Koryphäe der Gehirnchirurgie, der Trump in Sachen Populismus wie in der Selbstverliebtheit in nichts nachsteht. Weil sein Problem, praktisch nichts, aber auch wirklich gar nichts zu wissen, was nicht mit seinem medizinischen Spezialgebiet zu tun hat, aber noch ausgeprägter ist als bei Trump (Carson glaubt zum Beispiel, Thomas Jefferson habe an der US-Verfassung mitgeschrieben, die Pyramiden von Gizeh seien als Kornspeicher gedacht gewesen und der Gazastreifen werde von "Hummus" regiert), ist sein Stern mittlerweile im Sinkflug begriffen.

Abgerundet wird die Runde der narzisstischen Quereinsteiger von Carly Fiorina, die einst als erste Frau einem High-Tech-Konzern vorstand (Hewlett-Packard, 1999 bis 2005). Eine Rolle, die sie heute ihrer Meinung nach unter anderem dazu befähigt, Wladimir Putin und die Mullahs in Teheran in die Schranken zu weisen, bevorzugt mit Waffengewalt. Ob die extrem ausgeprägte Selbstliebe als alleinige Triebfeder für den ultimativen Erfolg, die Nachfolge Barack Obamas, ausreicht, darf bezweifelt werden.

Der Missionar.

Bernie Sanders ist im Grunde ein ganz normaler Sozialdemokrat westeuropäischen Zuschnitts. Im US-Kontext freilich, wo das Wort "Sozialismus" von der politischen Reaktion immer noch mit Stalin gleichgesetzt wird, hat es der Senator außerhalb von Vermont traditionell schwer. Was ihn nicht davon abhält, einen de facto aussichtslosen Kampf gegen die Übermacht der "Clinton Machine" zu führen. Auch wenn er sich den Wählern, mutmaßlich selber überrascht von einer bescheidenen, aber signifikanten Euphoriewelle, die ihn durchs Land trägt, mittlerweile als ernsthafte Alternative zum von der Frau des Ex-Präsidenten personifizierten Partei-Establishment empfiehlt, machte er schon im Vorfeld der Bekanntgabe seiner Kandidatur klar, warum er antritt: "Um Themen zu setzen, die sonst untergehen. Um Wege aufzuzeigen, die im Medien-Mainstream keinen Platz haben."

Tatsächlich ist Sanders, ein 1941 in Brooklyn, New York, geborener Sohn polnisch-jüdischer Einwanderer, alles andere als ein Idealist, sondern ein ausgewachsener Politprofi. Als solcher weiß er, wie viel ungleich mehr Aufmerksamkeit einem Politiker zuteil wird, der sich ums Weiße Haus bewirbt; und weil seine ureigenen Themen - Verteilungsgerechtigkeit (Stichwort Occupy Wall Street) und Bürgerrechte für Minderheiten (Stichwort Black Lives Matter) - im vergangenen halben Jahrzehnt die öffentliche Diskussion im Land bestimmt haben wie kaum andere, sah er die Zeit gekommen, seine Agenda endlich einmal auf einer großen Bühne voranzutreiben.

Mit Abstrichen trifft das auch auf Rand Paul zu. Der Sohn von Ron Paul, dem jahrzehntelangen Bannerträger des orthodoxen Libertarismus im US-Kongress, sticht aus der republikanischen Kandidatenschar insofern heraus, als er als Einziger die Sinnhaftigkeit der elektronischen Massenüberwachung durch die NSA und die Auslandsengagements des Militärs in Frage stellt. Wie dem Vater geht es Rand Paul bei seinen im Don-Quixote-Stil geführten Kampagnen kaum um die Suche nach einer realen Mehrheit. Die Pauls wollen die Republikaner langfristig verändern: weg von der interventionistischen, sämtliche noch verbliebenen Privatheitsrechte der Bürger abschaffen wollenden Partei, hin zu einem nach innen ultralibertären und nach außen streng isolationistischen Kurs.

Der Fundi.

Zu jeder Zeit gab es auf beiden Seiten des politischen Spektrums der USA Kandidaten für das höchste Amt im Staat, die sich zuallererst dadurch auszeichneten, dass sie eine streng ideologisch geprägte Politik verfolgten. Der Unterschied zum 20. Jahrhundert, als etwa bei den Demokraten der Pazifist Eugene McCarthy (in den 1960ern und 1970ern) und bei den Republikanern der baptistische Prediger und Rechtsausleger Pat Robertson (in den 1980ern) das jeweilige Partei-Establishment aufzumischen suchten, besteht darin, dass dieser Kandidatenschlag heute in den Reihen Letzterer schon rein quantitativ die Mehrheit bildet.

Auch wenn mit Scott Walker und Bobby Jindal zwei davon bereits früh aus dem Rennen schieden: Im Gegensatz zu damals, als solche Leute nur als die Repräsentanten von lauten Minderheiten wahrgenommen wurden, deren politischer Einflussbereich begrenzt war, kommen die heutigen konservativen Fundamentalisten als erfahrene Gouverneure (Walker in Wisconsin, Jindal in Louisiana, Mike Huckabee in Arkansas) und Senatoren daher (Ted Cruz in Texas, Rick Santorum in Pennsylvania, Lindsey Graham in South Carolina).

In ihren jeweiligen Heimat-Bundesstaaten haben sie ihre erzkonservative Ideologie, der ein Sozialdarwinismus reinsten Wassers zugrunde liegt - vollständige Entmachtung der Gewerkschaften, Abschaffung aller möglichen Sozialhilfen, Diskriminierung von Frauen, die abtreiben wollen, Privatisierung des öffentlichen Schulsystems et cetera -, nahezu vollständig politisch implementiert beziehungsweise befördert, während sie auf Bundesebene danach trachten, alle Gesetze zu torpedieren, die ihr zuwiderlaufen.