Nicht wenige von ihnen sehen sich von Gott (dem christlichen) persönlich ausersehen, diese vermeintlichen Segnungen nun dem ganzen Land teilwerden zu lassen. Was manchen beim Rennen ums Weiße Haus nicht zum Vorteil reicht: Walker und Jindal mussten nicht zuletzt deshalb vorzeitig aufgeben, weil ihre Popularitätswerte in ihren Bundesstaaten nach jeweils rund zwei Legislaturperioden im Keller sind. Der einzige Fundi, der realistische Chancen auf die Nominierung seiner Partei hat, ist Ted Cruz, die Lichtgestalt der Tea-Party-Bewegten. Im Kampf ums Weiße Haus gilt er indes als ebenso wenig mehrheitsfähig wie Donald Trump.

Der Pragmatiker.

Die Repräsentanten dieser Gruppe sind prinzipiell mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die, die sich am Ende durchsetzen: Sie wollen regieren und verändern, aber nicht auf Biegen und Brechen; sie sind allesamt Politprofis und wissen dementsprechend, wann sie zurückstecken müssen und wann sie nicht die ganze Wahrheit sagen dürfen.

Wenn nicht noch wider Erwarten Haarsträubendes passiert, gilt die Nominierung von Hillary Clinton bei den Demokraten als ausgemachte Sache. Die 68-Jährige bringt alles mit, was sie zum Ausfüllen des Amtes befähigt: langjährige Erfahrung in der Innenpolitik durch ihre acht Jahre als Senatorin von New York, internationale durch ihre vier Jahre als Außenministerin in Obamas Regierung und, nicht zuletzt, als Ehefrau von Ex-Präsident Bill Clinton, der in den 1990ern trotz heftigem Gegenwind aus dem Kongress und selbstverschuldeten Privataffären zwei Amtsperioden bewältigte. Wie sich gerade erst wieder in den öffentlichen Debatten erweist, ist Hillary Clinton ideologisch flexibel, hat aber immer noch genug Appeal, um die von Sanders aufgescheuchte Basis zu befrieden.

Bei den Republikanern finden sich die Pragmatiker dagegen in der Defensive. Vor gar nicht langer Zeit glaubten viele professionelle Beobachter noch, dass Jeb Bush Clintons logischer Gegner sein würde. Ausgestattet mit dem Namen einer alteingesessenen Politdynastie und dementsprechend Abermillionen an Sponsorengeld sowie mit einer beeindruckenden Biografie - erfolgreicher Geschäftsmann, populärer Gouverneur eines großen Bundesstaats (Florida) -, schien sein Weg zur Nominierung quasi vorgezeichnet. Weil seine Partei ihren Wählern aber in den vergangenen acht Jahren jede einzelne Tat Obamas als Untergang des Abendlandes verkaufte, passen gestandene Politiker wie Jeb Bush jr. nicht mehr ins Anforderungsprofil der Basis.

Auch Rick Perry, langjähriger Gouverneur des nach Kalifornien zweitgrößten Bundesstaats Texas, hat deshalb bereits aufgegeben. Ein ähnliches Schicksal droht mittlerweile auch den anderen Pragmatikern in der Partei: Chris Christie, als Gouverneur von New Jersey vor vier Jahren noch als unförmiges, aber effektives Allheilmittel gegen Obama in Stellung gebracht, grundelt in den Umfragen; ebenso wie John Kasich, Gouverneur des wichtigsten "Swing State" von allen, Ohio. Von der Gruppe der Pragmatiker ist Marco Rubio, Senator von Florida und so etwas wie die letzte Hoffnung des Parteiestablishments, noch am besten positioniert. Aber auch er kommt bisher nicht vom Fleck.

Angesichts der Bedrohung durch Trump, Cruz und Co. diskutieren die Parteigranden sogar jetzt schon über die Möglichkeit einer "Brokered Convention", bei der die Entscheidung erst am Treffen aller Parteidelegierten selber fällt. Der Parteitag der Republikaner findet von 18. bis 21. Juli in Cleveland, Ohio statt.

Das Rätsel.

Last but not least: George Pataki ist der Ex-Gouverneur von New York, Martin O’Malley der von Maryland. Jim Gilmore war einmal vier Jahre lang Gouverneur von Virginia. Es gibt keinerlei auch nur halbwegs vernünftige Erklärung dafür, warum sich diese Leute ums Präsidentenamt bewerben.

Was fix ist: Wenn am 8. November 2016 in Washington D.C. das Ergebnis des Rennens ums Weiße Haus veröffentlicht wird, dürfte das insgesamt fünf Milliarden Dollar verschlungen haben. Mindestens.

Um Präsident der USA zu werden, muss sich ein Mensch allerhand antun - und ja, ein bisschen verrückt sein. Was treibt Donald Trump, Hillary Clinton und Co. an?