Die Finanzlobbyisten waren also extrem erfolgreich. Sie konnten einen Deal durchsetzen, der ihren Interessen bestens nutzt. Die Banken waren bereit, tausende von Vorschriften zu akzeptieren - solange nur gesichert war, dass sie ihr Eigenkapital kaum erhöhen müssen. Auf nur drei Prozent der Bilanzsumme soll es bis 2018 steigen, was lächerlich wenig ist. Sobald eine neue Krise heranrollt, müssten die Banken wieder vom Staat gerettet werden.

Mehr Eigenkapital

Der Begriff "Eigenkapital" mag sterbenslangweilig klingen, aber es ist kein Zufall, dass die Banken ihre Lobbymacht vor allem auf dieses Thema konzentrieren. Denn es würde ihr Geschäftsmodell extrem stören, wenn sie mehr Aktien ausgeben müssten. Dann müssten sie nämlich auch mehr Dividenden ausschütten - was nichts anderes bedeuten würde, als dass die Boni für die Banker sinken müssten. Um noch einmal zur Deutschen Bank zurückzukehren: Momentan wird rund die Hälfte des Gewinns nicht etwa an die Aktionäre ausgeteilt, sondern an die angestellten Investmentbanker. Damit wäre es vorbei, wenn das Eigenkapital stiege.

Banklobbyisten behaupten daher gern, dass es unmöglich sei, das Eigenkapital deutlich zu erhöhen. Diese Aussage ist bereits historisch falsch. In den 1990er Jahren hatten die Banken im Schnitt noch ein Eigenkapital von zehn Prozent der Bilanzsumme, und im 19. Jahrhundert waren es gar 40 bis 50 Prozent. Der renommierte Finanzökonom Martin Hellwig schlägt daher vor, die Eigenkapitalquote auf 30 Prozent anzuheben, damit die Banken Verluste künftig selbst tragen können.

Allerdings dürften höhere Kapitalquoten allein nicht ausreichen, um die Banken davon abzuhalten, zu spekulieren und Blasen zu produzieren. Sie würden weiterhin Finanzprodukte erfinden, die keiner versteht. Banken können ungemein kreativ sein, wie sich bei den Derivaten zeigt: Das erste kommentierte Lexikon für Derivate erschien 1989 und umfasste bereits 700 Seiten. Der Nachfolger, der 2006 kurz vor der Finanzkrise erschien, hatte fast 5000 Seiten. Diese Unübersichtlichkeit dient allein den Banken. Man sollte also nicht vor dem V-Wort zurückschrecken, das die Spekulanten so fürchten: Verbot. Derivate sind überflüssig, wenn sie nicht dazu dienen, reale Grundgeschäfte abzusichern wie etwa den Kerosin-Einkauf von Fluggesellschaften. Ein Billionen-Markt würde zu einem kleinen Milliardenumsatz schrumpfen.

Der Kapitalismus ist komplex. Um ihn zu retten, reicht es nicht, nur das Eigenkapital der Banken zu erhöhen und die Derivate weitgehend zu verbieten. Aber es wäre ein Anfang.