Die Biografie des heute 76-jährigen Ailes, der vor seiner Medienkarriere republikanische Präsidenten und Politiker wie Richard Nixon, Ronald Reagan und George H. Bush beriet, gehört längst zu einem der Standardwerke der neueren amerikanischen Mediengeschichte. Bis heute gibt es für die amerikanische Reaktion kein wichtigeres Medium als Fox News; aber seine Wirkung geht seit Jahren weit über die Marke, ja über das von ihm bewohnte Medium hinaus. Nachdem Ailes und seine Untertanen spätestens Mitte der Nullerjahre bewiesen hatten, dass sich das systematische Verbreiten von Lügen und Halbwahrheiten buchstäblich auszahlt - weil es dafür eine so stetig wachsende wie zahlungskräftige Klientel gab, deren bestehende Ängste und Sorgen man nur noch verstärken musste -, folgte eine regelrechte Explosion von Mediengründungen ähnlichen Musters. Viele davon wirtschaften heute ebenfalls höchst erfolgreich. Allen voran die Mediengruppe Breitbart.

Deren Gründer Andrew Breitbart, ein ehemaliger Lehrling des immer noch einflussreichen Matt Drudge (der mit dem 1995 gegründeten "Drudge Report" so etwas wie die Blaupause für rechte Internet-Propagandaseiten lieferte), starb 2012 mit nur 43 Jahren an einem Herzinfarkt. Aber sein Geist lebt in Leuten wie Stephen Bannon weiter. Der letzte Job, den der 63-jährige Ex-Banker von Goldman Sachs und erfolglose Filmproduzent bis zu seinem Aufstieg zum Chefberater von Donald Trump innehatte, war Geschäftsführer von Breitbart. Heute streckt die unter der Marke versammelte Mediengruppe ihre Fühler sogar nach Europa aus, will, beflügelt vom Erfolg des Front National in Frankreich und der Alternative für Deutschland (AfD), bald Büros in Paris und Berlin eröffnen.

Weißer "Mainstream"
als Wegbereiter

Die sogenannte "Legacy Media", ein in den USA mittlerweile allgegenwärtiger Begriff, unter dem die alten, etablierten Medienhäuser zusammengefasst werden, die ihre Hochzeit im vergangenen Jahrhundert erlebten, hatte den wachsenden Einfluss von Fox News und seiner Spin-offs so lange ignoriert und als Minderheitenprogramm abgetan, bis es zu spät war. Am besten fasste es vielleicht David Plouffe zusammen, der Architekt des ersten und des zweiten Obama-Wahlkampfs und heute in leitender Funktion beim Carsharing-Service Uber tätig. Der vormalige Datenguru hatte bis zuletzt - wie praktisch alle professionellen US-Politikbeobachter - daran geglaubt, dass allein der demografische Wandel bei der Präsidentschaftswahl das Schlimmste verhindern würde: "Ich habe mich noch nie in meinem ganzen Leben so sehr getäuscht. Hier waren offenbar Kräfte am Werk, deren Einfluss niemand vorhersehen konnte." Dass er und seinesgleichen am Ende grundsätzlich recht behielten - Hillary Clinton erhielt rund 2,8 Millionen Stimmen mehr als Donald Trump -, die Wahl aber wegen des Electoral-College-Systems trotzdem verloren ging, ist angesichts der normativen Kraft des Faktischen ein schwacher Trost.

Ob freilich die von den rechten Medien gebündelten "Kräfte, deren Einfluss niemand vorhersehen konnte", allein wirklich gereicht hätten, um einen wie Trump ins Weiße Haus zu bringen, darf trotzdem bezweifelt werden. Tatsache ist, dass es nicht sie, sondern der (weiße) "Mainstream" war, der den Rechtspopulisten bereits zu einem Zeitpunkt salonfähig machte, als dieser vom Zentrum der Macht noch so weit weg schien wie Michelle Obama von einer Karriere als Politikerin.

Zwölf Jahre lang, von 2004 bis 2015, war Trump von Bangor, Maine, bis San Diego, Kalifornien, ständiger Gast in Amerikas Wohnzimmern. Als Moderator der Fernsehshow "The Apprentice" und ihres Ablegers "Celebrity Apprentice", in dem Kandidaten in der Hoffnung, einen Job bei einer von Trumps Firmen zu bekommen, alle möglichen erniedrigenden Aufgaben bewältigen mussten, ging er in der Rolle des gnadenlosen, aber gerechten Chefs auf, der die sozialdarwinistische Basis des amerikanischen Traums verkörpert: Nur die Harten kommen durch, und von denen auch nur der oder die Besten; der Rest sind "Loser", "Verlierer", die es verdienen, dass es ihnen nicht so gut geht, weil sie angeblich nicht hart genug arbeiteten.

Es ist dieses Bild, von dem Trump als Kandidat zehrte und das zu einem Gutteil erklärt, warum ihm seine Wähler bis heute alles, aber auch wirklich alles verzeihen, was die Karriere jedes anderen Politikers zerstört hätte. Aber auch in diesem Punkt und wenn das alles zusammen genommen ein stimmiges Bild ergibt - ganz ausreichend ist diese Erklärung deswegen noch immer nicht. Um den Komplex Trump und die Medien wirklich zu verstehen und einordnen zu können, muss man noch weiter zurückgehen. Genauer: bis in die frühen Achtzigerjahre. Bis zur von der Explosion der Kabel- und Satellitenfernsehanbieter angetriebenen Liberalisierung des Medienmarktes unter Ronald Reagan gab es in den USA nur drei Sender, die landesweit empfangen werden konnten. Die sogenannten Networks: NBC, ABC und CBS. Dazu gesellten sich zehntausende Radiostationen, Zeitungen und Magazine, die bis dahin bis auf ganz wenige Ausnahmen allesamt miteinander in Wettbewerb gestanden waren, weil der Gesetzgeber das Kartellrecht, das jegliche Konzentrationen verhinderte, rigoros anwandte. Die Übersicht über die elektronischen Medien fiel damals wie heute an die Federal Communications Commission (FCC), die unter anderem strenge Regeln für jegliche Art der politischen Berichterstattung vorschrieb. (Was sie in bestimmtem Maße bis heute tut, was teilweise zu kuriosen Problemen führt: Als sich etwa Arnold Schwarzenegger im Jahr 2002 um den Job des Gouverneurs von Kalifornien bewarb, nahmen die Networks sämtliche seiner Filme aus dem Programm, weil sie Angst hatten, die von der FCC vorgeschriebene, sogenannte "Equal Time Provision" zu verletzen. Nämliche besagt, dass die Sender, wenn sie einem Kandidaten Raum in einem ihrer regulären Programme gewähren, das auch für alle anderen tun müssen.)