Und auch kontinentale Politiker setzen auf dieses Narrativ einer glorreichen Vergangenheit, der Front National in Frankreich, auch Geert Wilders in den Niederlanden sowie die FPÖ in Österreich. Als Heinz-Christian Strache auf seiner Facebook-Seite einmal die Abbildung von Schilling-Noten postete und dazu schrieb: "Unser guter alter Schilling! Da war das Geld noch etwas wert!", hagelte es mehr als 20.000 "Gefällt mir". Das sind auch für Strache überdurchschnittlich viele.

Anouk Smeekes von der Universität Utrecht gehört zu jenen Forscherinnen, die sich mit Nostalgie in ihrer kollektiven Form auseinandersetzen, sie nennt sie "nationale Nostalgie". In mehreren Versuchsreihen hat sie einen Zusammenhang zwischen einer Sehnsucht nach den Niederlanden der Vergangenheit und immigrationsfeindlichen Sichtweisen gefunden. Die Forschung hierzu ist noch jung, die Ergebnisse sind mehr Indiz als Beleg, sie knüpfen aber an frühere Untersuchungen zu Gruppennostalgie an.

Denn auch auf nationaler Ebene werden Eigen- und Außengruppen erzeugt - Eingeborene und Migranten. In den Studien von Smeekes hat sich gezeigt, dass eine Versuchsgruppe, die einen Film über das "alte Holland" sah, auch der Gulden kam darin vor, ein stärker ausgeprägtes autochthones Gefühl entwickelte als die Kontrollgruppe. Eine weiterführende Befragung offenbarte dann, dass diese Gruppe bestimmte Rechte für muslimische Einwanderer, wie etwa den Bau von Moscheen, eher beschränken wollte.

Die Studien bezogen sich zwar auf die Niederlande, dürften aber auch auf Österreich umzulegen sein. So hat etwa die Integrationsdebatte eine neue Richtung genommen. Es gibt nun Wertekurse, Deutschkurspflicht, Integrationsvereinbarungen sowie die klare Haltung, dass muslimische Einwanderer "unsere Werte" übernehmen müssen. Das ist keine Forderung der Rechten, sondern nahezu gesellschaftlicher Konsens, und er verschiebt das Verständnis des Begriffs der Integration immer weiter in Richtung Assimilation. In der Eigengruppe, also der autochthonen Bevölkerung, haben sich die Sichtweisen reglementiert, und diese Gruppe stellt auch Bedingungen an die Fremdgruppe, die Einwanderer - ganz so wie in den Versuchsreihen.

Der bewusste Rückgriff auf eine vorgeblich glorreiche Vergangenheit ist in der politischen Vermarktung zwar nicht neu, sehr wohl aber diese fast bedingungslose Hinwendung zur Vergangenheit, die mehr Sehnsucht als klassisches Schwelgen ist. Es geht auch nicht mehr um einzelne Ereignisse oder Persönlichkeiten, an die erinnert wird, sondern um das klare Narrativ, dass die Zukunft genauso sein soll, wie es in der Vergangenheit war.

Trügerische Vergangenheit

Das unterscheidet auch die Politik eines Heinz-Christian Strache von jener seines Vorgängers Jörg Haider, der zwar aus wahlstrategischen, vielleicht auch familiären Gründen, die Weltkriegsgeneration sowie ehemalige Nazis gezielt ansprach, der aber auch ein Bild einer spezifischen Zukunft, der "Dritten Republik", entwarf. Unter der FPÖ heute gibt es keine vergleichbare Zukunftsbeschreibung, ebenso wenig von Donald Trump oder Marine Le Pen.

Mehr als zuvor wird dafür von den rechtspopulistischen Parteien die Gegenwart als unmittelbar vor dem kompletten Zusammenbruch geschildert und die Zukunft überhaupt als Dystopie gezeichnet, etwa als Strache jüngst vom Bürgerkrieg fabulierte. Die Sehnsucht nach der Vergangenheit wird durch solche geschilderten Szenarien weiter geschürt, und sie kommen gepaart mit dem Versprechen, die Zeit wieder zurückdrehen zu können, auch wenn dies völlig unrealistisch ist.

Der dramaturgische Aufbau dieses Narrativs gleicht dabei einem Märchen: Früher war alles wunderbar ("Es war einmal. . ."), in der Gegenwart regiert das Chaos, am Ende aber, nach dem Sieg, wird alles wieder wie früher ("Und wenn sie nicht gestorben sind. . .") - das klassische Märchen eben. Heute erzählen es die Rechtsdemagogen.