Unzweifelhaft hat sich der Konflikt um Deutungshoheit in jenen Diskursen verschärft, in denen die Rahmen des Zusammenlebens definiert werden. Die Frage der Teilhabe an diesen Verhandlungen ist aber nach wie vor virulent. Und vielleicht ist sie sogar wichtiger denn je und sollte offen angesprochen werden. Denn wenn eine Gesellschaft inklusiver wird, ist auch darauf zu achten, dass manchen nicht wieder die Teilhabe genommen wird. Genau das ist der Vorwurf jener, die sich über zu eng gezogene Grenzen des "gesunden Menschenverstandes" beschweren - und auch dagegen wählen, muss man ergänzen.

Doch ist dieser Vorwurf berechtigt? Sind diese Gruppen wirklich von Partizipation ausgeschlossen? Oder ist es auch hier nur eine Wahrnehmung? Und in Wirklichkeit brechen einfach hegemoniale Strukturen auf, dringen Frauen in fast alle gesellschaftlichen Bereiche durch, und büßt der "alte, weiße Mann" halt etwas an Wirkmächtigkeit ein und kann eben nicht mehr in Alleinregie definieren, was sein und was nicht sein darf. Doch auch wenn jene, die gegen "das Establishment" und die vermeintliche "Diktatur der Politischen Korrektheit" wettern, nur eine überzogene Wahrnehmung haben, also auch hier die von Thomas Edlinger beschriebene "Überbewertung der Empfindung" vorliegt, stellt sich die Frage, wie man mit dieser Empfindung umgehen soll.