- © Irma Tulek
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Daten sind das neue Gold. Sie haben Öl als wertvollste Ressource abgelöst. Aber der Glanz der Daten erschließt sich nicht immer auf den ersten Blick, und Journalisten sehen sich immer noch eher als Frauen und Männer der Worte, nicht der Zahlen. "Wenn ich das Wort ‚Daten‘ in den Mund nehme, schalten 90 Prozent ab. Die meisten sind nicht Journalisten geworden, um sich mit Zahlen zu beschäftigen", bestätigt Peter Sim, Datenjournalist bei der österreichischen Rechercheplattform "Dossier". Doch die Nachfrage an Journalisten, die Geschichten anhand von Daten erzählen können, steigt. Nichtzuletzt können mithilfe von Datenanalyse verborgene Macht- und Interessenstrukturen aufgezeigt werden.

Heute sind mehr Daten verfügbar als je zuvor. Maschinen haben die Daten lesbar gemacht, das Internet hat den Zugang zu ihnen demokratisiert. Theoretisch kann jede Bürgerin von ihrem Schlafzimmer aus das Internet nach Daten durchsuchen und diese mit kostenlosen Tools als Grafiken visualisieren. Doch die Unmengen an Daten, "Big Data" genannt, sind eine oft noch weitgehend unerschlossene Ressource, und um sie zu gewinnen und auszuwerten, bedarf es eines gewissen Know-hows.

Datenjournalisten haben diese Fähigkeiten; sie erkennen Muster in Datensätzen, sind firm in Excel und wissen, wie man Daten aus dem Internet zieht (Stichwort "Scraping"). Datenjournalismus ist einer der großen Journalismustrends unserer Zeit. In der Öffentlichkeit ist er vor allem durch große Datenleaks wie "Panama Papers", "Paradise Papers" oder die Plattform Wikileaks ein Begriff.

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Zwar sind Medienhäuser in den meisten Fällen nicht gerade "early adapter" - also nicht unter den Ersten, die mit neuen Technologien arbeiten. Doch es müssen nicht immer riesige Enthüllungen sein. So kann man in der Datenbank "Euros für Ärzte" mittels einer einfachen Suchabfrage feststellen, welche Ärzte Geld von der Pharmaindustrie angenommen haben. Das Projekt der deutschen Rechercheplattform "CORRECT!V" spuckt auch zahlreiche Einträge für Österreich aus.

Auch herkömmliche Textartikel brauchen Daten

Daten-Storys können auch filmisch erzählt werden. Der Kurzfilm "Supernaked" kann durchaus als daten- und investigativjournalistisches Meisterwerk bezeichnet werden. Das unlängst veröffentlichte Video erzählt im Graphic-Novel-Stil den komplexen Sachverhalt der Buwog-Affäre. Das Video wurde pünktlich zum Start des Gerichtsverfahrens der größten Korruptionsaffäre der Zweiten Republik veröffentlicht und entstand in Zusammenarbeit der Rechercheplattform "Dossier" mit der Wochenzeitung "Falter".