Die österreichische EU-Präsidentschaft steht daher im Jahr 2018 vor zwei wichtigen Aufgaben: Erstens, mitzuhelfen, einen für die EU vernünftigen Brexit-Deal aushandeln. Und zweitens, die schwere Krise in Ost-/Mittel-Europa meistern zu helfen.

In Diplomatenkreisen ist zu hören, dass Österreich - mit seiner traditionell guten Gesprächsbasis mit Ländern wie Ungarn und Polen - durchaus ein geeigneter Vermittler in dieser Sache wäre. Vor allem Paris hegt Hoffnungen, dass Wien Warschau - aber auch Budapest - zur Vernunft bringen könnte. Gleichzeitig hegt Berlin Misstrauen gegen Wien: Denn schließlich ist Kanzler Sebastian Kurz mehr als nur einmal Viktor Orbán, den man in Berlin als unappetitlichen Möchtegern-Autokraten sieht, verbal beigesprungen. Wobei man die Dinge in Stuttgart, München und Ingolstadt wiederum ähnlich locker sieht wie in Wien: Mercedes hat ein Werk im zwischen Budapest und Szeged gelegenen Kecskemét und plant eine weitere Fabrik, Audi unterhält ein riesiges Werk in Györ. Diese Unternehmen wurden mit Subventionen und großzügigen Konditionen ins Land gelockt und sind über die niedrigen Löhne und die nur rudimentären Arbeitnehmerschutzbestimmungen in Ungarn hocherfreut.

Wenn Brüssel dem Erosionsprozess der Demokratie nichts entgegensetzt, dann steht Europa selbst auf dem Spiel. 2018 könnte also wieder einmal ein Schlüsseljahr für Europa werden.