Am 15. Mai kam es zur "Sturmpetition". Die Revolution brach gewissermaßen zum zweiten Male aus und die Regierung stimmte den Forderungen zu. Das Wahlrecht wurde allgemein und gleich, nach ihm wird ein Reichstag gewählt. Als erstes zensurfreies Werk erschien am 15. März das Gedicht "Die Universität" von Ludwig Frankl. "Was kommt heran mit kühnem Gange? Die Waffe blinkt, die Fahne weht. Es naht mit hellem Trommelklange die Universität." Es erscheinen Massen von Flugschriften.

Unterschiedliche Reaktionen

Am 15. März hob Kaiser Ferdinand die Pressezensur auf, ... - © Archiv
Am 15. März hob Kaiser Ferdinand die Pressezensur auf, ... - © Archiv

Bemerkenswert ist, wie der Hof auf die Revolution in ihren verschiedenen Erscheinungen reagierte: Grundsätzlich dagegen, gegen die politische Freiheit in ihren verschiedenen Möglichkeiten, aber je nach Situation elastisch und flexibel, von Zeit zu Zeit mit wohlwollender Maske und einem scheinbaren Nachgeben, aber mit unverhältnismäßiger Strenge und Brutalität im Ergebnis.

Am 2. Dezember wurde Franz Joseph neuer Kaiser. - © Archiv
Am 2. Dezember wurde Franz Joseph neuer Kaiser. - © Archiv

Der beste Kenner der österreichischen Revolutionen 1848/49 Wolfgang Häusler stellt fest: "Kein anderes Reich brachte es fertig, in Jahresfrist seine Haupt- und Residenzstadt wie alle wichtigen Landeshauptstädte - Krakau, Prag, Mailand, Ofen-Pest, Lemberg, zuletzt Venedig - in Barrikaden und durch Artilleriebeschuss zu bezwingen (...). (...) die Planung der Ringstraße war von diesem Leitgedanken der Niederhaltung der revolutionsdrohenden Vorstädte beherrscht (...)

Die neoabsolutistisch modernisierte Monarchie vermochte es nicht, die versäumte Zeit einzuholen: Der allzu junge Kaiser von Gottes und Armee Josef Wenzel Radetzky von Radetz’ und Alfred Fürst zu Windisch-Graetz’ Gnaden fand allzu alt werdend und als ,Unpersönlichkeit‘ (Karl Kraus) in seiner Uniform erstarrend nicht mehr zu einem Verständnis des Zeitenwandels, der mit historischer Verspätung das Pensum der Revolution nachzuholen hatte. Nicht die Revolution, deren Erbe in der Republik weiterlebte, war gescheitert - die Monarchie ging an ihren in den Jahren der Reaktion geschaffenen autoritären und militaristischen Strukturen zugrunde."

Nach der Einnahme Wiens durch General Windisch-Graetz ... - © Archiv
Nach der Einnahme Wiens durch General Windisch-Graetz ... - © Archiv

Dementsprechend waren Fortschritte zum Rechtsstaat und zur Demokratie nur möglich, wenn außenpolitische und militärische Niederlagen die Staatsführung zum Nachgeben zwangen. Vereinfachend kann man sagen, dass ohne die Schlacht bei Königgrätz 1866 und die Niederlage die Rechtstaatlichkeit noch länger hätte auf ihre Verwirklichung warten müssen. Österreichs Weg zum Rechtsstaat und schließlich zur demokratischen Republik war mit immer größer werdenden Niederlagen gepflastert. Daher hat man die Unterdrückten, Verfolgten und Widerständigen mitzubedenken. "Sie waren, wie Ferdinand Freiligrath, der ,Trompeter‘ der Revolution 1848, (...) wahrhaft die ,siegenden Geschlagenen‘ des Revolutionszeitalters, in dem wir immer noch leben" (Wolfgang Häusler).

Die Aufhebung des Untertänigkeitsverhältnisses

.... wurde Nationalgarde-Oberkommandant Wenzel Messenhauser  hingerichtet. - © Archiv
.... wurde Nationalgarde-Oberkommandant Wenzel Messenhauser  hingerichtet. - © Archiv

Am 10. Juli 1848 konstituierte sich das erste freigewählte Parlament. Am 22. Juli eröffnete Erzherzog Johann den Reichstag in der Winterreitschule der Hofburg. Am 26. Juli erteilte der Abgeordnete Hans Kudlich den Antrag: "Von nun an ist das Untertänigkeitsverhältnis samt allen daraus entspringenden Rechten und Pflichten aufgehoben, vorbehaltlich der Bestimmungen, ob und wie eine Entschädigung zu leisten sei." In seiner Rede verlangte er: "Wir müssen die Grundsätze der Gleichheit, Freiheit und Menschenwürde jetzt, wo es sich nicht mehr um bloße Theorien handelt, jetzt, wo sie Fleisch und Blut werden sollen, ohne Zagen aussprechen (...) Das Herz der Bauern war der Sicherheitsausschuss am Lande! Und ist nicht die größte Gefahr im Verzuge für die öffentliche Ruhe und Sicherheit? (...)