Der Reichstag in Kremsier entwickelte ein originelles Verfassungswerk. Liberales, demokratisches und föderalistisches Gedankengut kamen darin zum Ausdruck. Die dem Kaiser zustehenden Rechte wurden als durch die Verfassung festgesetzte Zuständigkeiten erklärt. Damit wurde das Volk die Quelle der Staatsgewalten. Der Theorie der Volkssouveränität entsprechend heißt es im Katalog der Grundrechte des österreichischen Volkes in § 1: "Alle Staatsgewalten gehen vom Volke aus und werden auf die in der Konstitution festgesetzte Weise ausgeübt." Der Kaiser wurde Organ der vom Volk beschlossenen Verfassung.

Imponierende Gelassenheit der Abgeordneten

Dagegen verkündete schon das Thronbesteigungspatent Franz Josephs vom 2. Dezember 1848 die monarchische Souveränität. Aber die Ruhe und Gelassenheit der Abgeordneten des Reichstages imponieren. Sie hatten Vertrauen in die Zukunft und Vertrauen in die Staatsführung. Sie beschlossen die Zukunft Österreichs, die sich erst viel später verwirklichen konnte. Der "blutjunge" 18-jährige Kaiser verwirklichte die Vergangenheit. Man nennt sie Neoabsolutismus.

Die kaiserlichen Armeen schlugen die Revolution mit Gewalt nieder. Die tatsächlichen Machtverhältnisse bestimmten die Rechtsverhältnisse. Die vom Kaiser oktroyierte Märzverfassung vom 4. März 1849 bestimmte: "Wir verkünden danach unter heutigem Tage die Verfassungsurkunde für das einige und unteilbare Kaisertum Österreich, schließen hiedurch die Versammlung des Reichstages zu Kremsier, lösen denselben auf und verordnen, dass dessen Mitglieder sofort nach Veröffentlichung dieses Beschlusses auseinandergehen."

Der Kremsierer Verfassungsentwurf enthielt vieles, was im B-VG, in unserer heutigen Verfassung, seine Ausgestaltung fand. Dazu gehören die Rechtsstaatlichkeit, der Parlamentarismus und Föderalismus. Sie sind als Formen der politischen Freiheit vom und im Staat 1848 in die österreichische Geschichte eingetreten.

"Mit einer sinnlosen Schießerei des Militärs auf harmlose Demonstranten hat die Revolution ihren Anfang genommen, mit Massenmord an Wehrlosen und Unschuldigen hat sie geendet" (Robert Endres). Man kennt die Toten der Märzrevolution, die Hunderten von Toten der Oktoberrevolution kennt man nicht. Messenhauser, Blum, Becher und Hermann Jellinek sind Ausnahmen. Letzterer sprach das Wort: "Ideen können nicht erschossen werden", das Wolfgang Häusler zum Titel eines faszinierenden Buches über "Revolution und Demokratie in Österreich 1789 - 1848 - 1918" (2017) gemacht hat.