Wenn etwas aus der Norm fällt, schlägt das Smartphone Alarm: "Du wirst krank, tu etwas!", oder "Du machst zu wenig Sport, bewege Dich mehr!" Doch wir wissen: Abweichende Werte sind nicht immer gleich ein Todesurteil. Ob jemand, dessen Cholesterine etwa zu hoch sind, tatsächlich gefährdet ist, kann immer noch der Arzt am besten abschätzen. Bischofberger ist davon überzeugt, dass die Kooperation von Maschine und Mensch die Zukunft sein wird. Wie genau sie sich gestalten wird, steht aber noch in den Sternen. Fest steht nur, dass künstliche Intelligenz immer mehr kann.

Google brachte jüngst eine Software heraus, die Go, das als komplexestes Spiel der Welt gilt, von alleine lernt. Der Computer spielt dazu gegen sich selbst. Er lernt blitzschnell aus dem eigenen Verhalten, indem er sich erfolgreiche Schritte merkt. Auf diese Weise gewann Googles Computer "DeepMind AlphaGo" gegen den Menschen einmal mehr in dem japanischen Brettspiel. Auch in Spielen, die mit versteckten Informationen arbeiten, werden die Algorithmen immer besser. Kurz vor Weihnachten schlug die künstliche Intelligenz "Libratus" vier der Top-Pokerspieler der Welt. Das Kartenspiel gewinnt, wer die beste Strategie an den Tag legt, ganz ähnlich wie im Geschäftsleben, etwa bei Verhandlungen oder in der Planung.

Müssen wir überhaupt noch denken? Alexa kümmert sich um den Einkauf, das Auto fährt von Sizilien bis zum Nordkap und wir sitzen nur daneben. Müssen die Woche nicht planen, keine Termine selbst organisieren, unsere Reaktionen nicht schulen, weil Maschinen uns alles abnehmen. Da sie nur klare Kommandos verstehen, sprechen wir in einfachen Sätzen. Verlernen wortreiches Reden. Es wird einsam in dieser stillen Welt, in der alles wie am Schnürchen läuft. Ändern können wir nichts daran, weil sonst nichts mehr funktioniert. Die Evolution schreitet voran - und könnte uns Fähigkeiten rauben, die wir über Jahrhunderte entwickelt haben. Das Gehirn verlernt, was es kann, sendet weniger Kommandos an Muskeln und Skelett, was die Psyche mit Depressionen quittiert. Satt und untätig erleiden wir Mangelerscheinungen, die das Gesundheitssystem vor Herausforderungen stellen.

Die gewonnene Zeit
sinnvoll nutzen

Denn Bewegung hält Geist und Körper fit, fördert die Durchblutung, kräftigt die Herzmuskulatur, lässt im Gehirn neue Nervenzellen entstehen. Sie scheint ein Jungbrunnen zu sein. Bewegungsmangel hingegen bringt Übergewicht, Diabetes und chronischen Bluthochdruck. Mediziner sind überzeugt, dass auch Alzheimer und Parkinson bei zu wenig Bewegung schneller voranschreiten. Alexa und Co. scheinen hier keinen großen Beitrag zur Verbesserung der Situation zu leisten - Kranksein ist vorprogrammiert.

Norbert Bischofberger ist hingegen davon überzeugt, dass uns künstliche Intelligenz in positivem Sinn viele Schritte vorwärtsbringen wird. Und: "Es werden Dinge entstehen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können - denken wir an die Entstehung des Buchdrucks zurück." Vielleicht wird der Mensch ja auch intelligent genug sein, um die durch das Mitwirken von Maschinen gewonnene Zeit sinnvoll einzusetzen.