Aggressive Kritik an den Achtundsechzigern

Dieses immerwährende Gefühl, auf der richtigen Seite zu stehen, das Kritikern der Achtundsechziger als "narzisstisch" erscheint, findet allerdings seine Bestätigung durch aggressive Äußerungen politischer Gegner. Insbesondere in Deutschland gehört es zur konservativen und rechtspopulistischen Rhetorik, alles, was im Land schlecht läuft, dem unheilvollen Einfluss der "Achtundsechziger" zuzuschreiben. Der CDU-Politiker Bruno Heck schrieb 1983 im Rückblick: "Die Rebellion von 1968 hat mehr Werte zerstört als das Dritte Reich." Und der AfD-Politiker Jörg Meuthen rief im April 2016 auf einem Parteitag unter dem Beifall der Delegierten aus: "Wir wollen weg vom links-rot-grün-versifften 68er-Deutschland und hin zu einem friedlichen, wehrhaften Nationalstaat."

Solange solche Kritiken geübt werden, müssen sich die Achtundsechziger über ihr Nachleben keine Gedanken machen. Denn schließlich wird ihnen eine enorme Gestaltungskraft zugetraut, wenn man ihnen nachsagt, sie hätten ganz Deutschland mit ihrem Gedankengut "versifft" (sprich: verseucht) - und das nun schon seit 50 Jahren! Dabei gab es doch immer auch sozialdemokratische, liberale und konservative Kräfte, die auf ganz anderen Wegen zur politischen Willensbildung in Deutschland beigetragen haben. Sie waren allerdings niemals umgeben von der Atmosphäre des Revolutionären, die den Achtundsechzigern bis heute ihre dekorative Sonderstellung verleiht.