Konkret und politisch nüchtern betrachtet stellt sich die Ausgangslage für 2018 folgendermaßen dar: Die erste wirklich aussagekräftige Bilanz von Trumps Präsidentschaft steht Anfang Herbst an. Am 6. November werden alle 435 Sitze des Repräsentantenhauses und 33 des insgesamt 100 zählenden Senats vergeben. Am selben Tag wählen 36 Bundesstaaten und drei sogenannte Territorien (Guam, US Virgin Islands, Northern Mariana Islands) ihre Regionalparlamente und Gouverneure neu.

Auch wenn alle diesbezüglichen Umfrageergebnisse zum jetzigen Zeitpunkt Kaffeesudleserei sind, deuten frühe Indikatoren schon jetzt auf Zugewinne der Demokraten hin. Bisher haben 23, großteils langjährige Abgeordnete der republikanischen Fraktion im Repräsentantenhaus angekündigt, bei diesen "Midterm Elections" nicht mehr anzutreten. Auf der Gegenseite finden sich mit Stand Jahresende 2017 nur elf Demokraten, die auf eine neuerliche Kandidatur verzichten wollen. Um die derzeit 240 Sitze zählende konservative Mehrheit im Unterhaus zu brechen, müssten die Demokraten, die derzeit 194 Abgeordnete stellen, auf mindestens 218 kommen.

Schmutzige Tricks der Republikaner

Kein unrealistisches Szenario - wären da nicht die extrem schmutzigen Tricks, derer sich die Republikaner seit mittlerweile einem Jahrzehnt so offen wie folgenlos systematisch bedienen, um sich an der Macht zu halten beziehungsweise diese auszubauen. Nicht, dass die Folgen des unmittelbar nach Barack Obamas Wahlsieg im Jahr 2008 von der konservativen Parteiführung ins Leben gerufenen und im Anschluss generalstabmäßig umgesetzten Projekts "RedMap" nicht schon früher Anlass zur Besorgnis gegeben hätten; aber in ihrer vollumfassenden Gefahr für die Demokratie offensichtlich werden sie erst seit der Wahl Trumps.

"Die Leute nennen das, was wir tun, eine ,gewaltige rechte Verschwörung‘. In Wirklichkeit waren das, was wir bis jetzt gemacht haben, nur halbe Sachen. Es ist Zeit, ernst zu machen." Dieser Satz stammt von niemand Geringerem als dem Politikberater Karl Rove, der jahrzehntelang in verschiedenen Funktionen in seiner politischen Heimat Texas und im Weißen Haus unter dem Spitznamen "Prince of Darkness" die buchstäbliche Drecksarbeit für die Mitglieder des Bush-Clans erledigt hat.

Mehrfach bestätigt und aufgeschrieben hat ihn der Autor und Journalist David Daley in seinem 2016 erschienenen und mittlerweile in den Rang des Standardwerks erhobenen Buchs "Ratf**ked: The True Story Behind the Secret Plan to Steal America’s Democracy" (Verlag Liveright). Dessen Sukkus, verkürzt formuliert: Nach der Wahl Obamas und dem Verlust der Mehrheiten in beiden Kongresskammern wandten sich Rove und Konsorten umgehend den letzten Bastionen zu, in denen die Konservativen noch das Sagen beziehungsweise Chancen auf Mehrheiten hatten - den Parlamenten der Bundesstaaten. Das föderale System der USA räumt diesen Gesetzgebungskörpern weitreichende Kompetenzen ein. In puncto Wahlen die wichtigste: die Macht, nach jeder Volkszählung (die in den USA alle zehn Jahre erfolgt, die nächste findet 2020 statt) die Wahlkreise neu zeichnen zu können. Unter dem Projekttitel "RedMap" wurde der Plan, die Bezirke so lange umzuzeichnen, bis sichere republikanische Mehrheit entstanden, in einer selbst für US-Verhältnisse bis dahin ungekannten Brutalität durchgezogen.