Fast keine Wahlbezirke mit Chancen für beide Parteien

Ergebnis dieses Prozesses, dieses "Gerrymandering": Kein Jahrzehnt nach Roves Sager tendiert die Zahl der "Competitive Seats", also jener Wahlbezirke, in denen die Kandidaten beider Parteien Siegchancen haben, zunehmend gegen null. Wie Daley - und längst auch jeder nur halbwegs ernstzunehmende US-Politikwissenschafter - in "Ratf**ked" faktisch unwiderlegbar nachweist, ist das Ausmaß, in dem das Projekt "RedMap" mittlerweile die US-Demokratie unterhöhlt hat, schier unfassbar.

Gepaart mit der Macht der rechten Medien-Propagandamaschinerie (Fox News, Breitbart, Drudge Report, Daily Caller und andere) sowie einer Litanei von Gesetzen, die einzig und allein darauf abzielen, die traditionell eher den Demokraten zuneigenden ethnischen Minderheiten davon abzuhalten, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen, kristallisiert sich so das Bild einer Partei heraus, die sich mittlerweile auch von den grundlegendsten aller demokratischen Spielregeln verabschiedet hat. Eingedenk dieser Entwicklung erscheint der Möchtegern-Diktator Trump weniger als der Betriebsunfall, als den ihn viele alteingesessene Konservative noch immer gern hinstellen, denn vielmehr als die logische Konsequenz daraus. Tatsächlich ist die "Grand Old Party" nach allen herkömmlichen Maßstäben heute eine Partei des demokratisch semi-legitimierten Autoritarismus, mit dezidiert faschistischen Elementen.

Dazu ein Detail am Rande: Als prominentester Kritiker des "Gerrymandering" gilt heute Arnold Schwarzenegger, Ex-Gouverneur von Kalifornien und lebenslanger Republikaner. Im Gegensatz zu seinen Parteifreunden ließ er während seiner Amtszeit seinen Worten - "Es muss endlich Schluss damit sein, dass sich die Politiker ihre Wähler aussuchen und nicht die Wähler die Politiker" - auch Taten folgen. Seine Partei zahlt bis heute einen hohen Preis für eine entsprechende Reform: Im Abgeordnetenhaus in Sacramento haben die Demokraten heute eine Zwei-Drittel-Mehrheit, die gar noch ausbaufähig scheint.

Um zu überleben, müssen die Republikaner betrügen

Das kalifornische Szenario, wenn auch ein extremes Beispiel, offenbart das ganze bundesweite Dilemma der Republikaner: Wenn sie politisch mittel- und langfristig überleben wollen, bleibt ihnen angesichts der sich verschiebenden Demografien schlicht nichts anderes übrig, als - man kann es nicht anders sagen - zu betrügen.

Wenn es um die Senatswahlen geht, bei denen die gesamte Bevölkerung eines Bundesstaats wahlberechtigt ist, sind Manipulationen indes nicht so leicht möglich. Aber auch um die Mehrheit im Oberhaus zu erobern, wo es aktuell für die Republikaner 52 zu 48 steht (weil sich die formal unabhängige Senatoren Bernie Sanders aus Vermont und Angus King aus Maine zwar nicht als Demokraten, aber als Teil ihrer Fraktion begreifen), muss mancherorts nicht weniger als ein kleines Wunder geschehen, damit sich etwas bewegt.