In Bundesstaaten wie West Virginia muss der demokratische Amtsinhaber Joe Manchin dieselben Wähler von sich überzeugen, die im November 2016 zu sage und schreibe 68 Prozent für Trump stimmten. In der Mehrheit der rund ein Dutzend als "kompetitiv" eingestuften Bundesstaaten, darunter deklarierte Trump-Hochburgen wie Indiana, Montana und Missouri, die über die künftigen Mehrheitsverhältnisse entscheiden, finden sich die Demokraten 2018 in der Defensive - sie müssen bestehende Sitze verteidigen, während die Konservativen auf Angriff gehen können.

Das Wahlsystem entspricht nicht dem Wählerwillen

Ob der täglichen, ja mittlerweile stündlichen Aufgeregtheiten - dank Trumps nervösem Zeigefinger, der ihm offenbar eine Mindestzahl an Tweets vorschreibt -, drohen indes die fundamentalen Fragen, die sich die Verfechter des US-Demokratiemodells heute stellen müssen, einmal mehr komplett unterzugehen.

Das "Electoral College"-System, zu einer Zeit entworfen, als manche Amerikaner ihren Zorn auf die Welt noch nicht mit halbautomatischen Maschinengewehren, sondern mit Musketen austrugen, verschleiert nicht erst seit gestern den realen politischen Willen der Mehrheit. Konkret stellt sich die Problematik so dar: Weil das System unter anderem vorschreibt, dass im Senat jedem der 50 Bundesstaaten das gleiche Gewicht zukommt, sprich, der Anspruch auf eine politische Repräsentation durch je zwei Senatoren, steht einer wie Wyoming mit seinen nicht einmal 600.000 Einwohnern und einer Wirtschaftsleistung, die jener des Jemen entspricht, politisch auf einer Stufe mit Kalifornien, der für sich allein genommen sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt mit 40 Millionen Menschen.

Nachdem der Oberste Gerichtshof dank Trump mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für Generationen in erzkonservativer Hand bleiben wird (der von ihm nach seiner Wahl bestellte Hardliner Neil Gorsuch ist gerade einmal 50 Jahre alt), besteht keinerlei Hoffnung, dass an dieser Diskrepanz zwischen demokratischem Anspruch und realpolitischer Wirklichkeit auch nur ansatzweise gekratzt wird.

Für die US-Demokratie besteht deshalb die größte Gefahr darin, dass ihre Fürsprecher das Jahr 2018 auf die eine oder andere Weise - und besonders im Fall eines Wahlerfolgs für die Demokraten bei den "Midterms" - als Beginn zur Rückkehr zur Normalität interpretieren; als angeblichen Beweis, dass die alten "Checks and Balances" funktionieren und die Wähler sich nur bis zu einem gewissen Grad für dumm verkaufen lassen. Vielleicht ist das wirklich die größte Gefahr: ein voreiliges Zurück zur Tagesordnung, bevor alles, was zu Trump geführt hat, ausreichend identifiziert und aufgearbeitet ist. Dann stünde auch einer zweiten Amtszeit nichts im Weg - wenn nicht für ihn, dann für seinen Nachfolger.