Wien. Aus heutiger Sicht sei er einfach nur "naiv" gewesen, sagt der eine. Ihr sei die Sache schon damals "abstrus" vorgekommen, meint die andere. Scheinrechnungen gelegt haben sie beide.

Am Montag ist im Grauen Haus der Prozess um die 960.000-Euro-Zahlungsflüsse der Telekom an das BZÖ im Wahlkampf 2006 fortgesetzt worden. Diesmal wurden die zwei angeklagten Werber befragt, über die das Geld geflossen ist. Wie erwartet, bestätigten beide die Geldflüsse. Überraschend war indes, dass sie dem BZÖ-Mandatar Klaus Wittauer, der quasi als Verbindungsmann fungiert hatte, teils massiv widersprachen.

Zuerst wurde Kurt S. befragt, über dessen Agentur damals mit 720.000 Euro der Löwenanteil der inkriminierten Summe geflossen sein soll. Er gab zwar zu, das Geld erhalten und dafür Scheinrechnungen an die Telekom gelegt zu haben, bekannte sich allerdings der Beteiligung zur Untreue nicht schuldig. Gleich zu Beginn erklärte S., warum: "Ich streite nicht ab, was ich gemacht habe. Aber als ich mit Wittauer Gespräche führte, war mir nicht bewusst, dass es sich um eine illegale Handlung gehandelt hat", sagte S. Und: Er habe "nicht im Entferntesten daran gedacht, dass hier Befugnisse missbraucht wurden". S., der schon zuvor in der Agentur von Gernot Rumpold tätig war und 2004 bis 2006 mit diesem in einer Bürogemeinschaft arbeitete, meinte, er sei vom Geschäftsführer der Orange Werbeagentur, Arno Eccher (er sitzt ebenfalls auf der Anklagebank) gefragt worden, ob er den BZÖ-Wahlkampf machen wolle. Anfang Juli habe er Wittauer im Wiener Hotel Imperial getroffen, der ihm eine Zahlung von rund 500.000 Euro angekündigt habe. "Die Rechnung müsse ich dann aber an die Telekom stellen, sagte mir Wittauer", meinte S. und widersprach damit der Aussage des früheren BZÖ-Mandatars. Dieser hatte am Freitag erklärt, er habe S. lediglich gesagt, er müsse sich an Telekom-Manager Gernot Schieszler wenden. "Nein, das war definitiv nicht so", meinte S. am Montag.

In einem weiteren Punkt widersprach S. Wittauer: Während dieser behauptet hatte, nicht für die Verteilung des Telekom-Geldes unter den BZÖ-Kandidaten verantwortlich gewesen zu sein, schilderte S. plastisch, wie er mit Wittauer über die Verteilung der Gelder gesprochen habe. Wittauer hatte das am Freitag unter anderem mit den Worten "bevor ich dem Westenthaler was zahle, könnt’s ihr mir die Hand abhacken" bestritten.