Juli 2012
Das VP-Justizministerium erteilt die Weisung, die Ermittlungen gegen Faymann zu einem bereits abgeschlossenen Punkt wieder aufzunehmen. Konkret sollen die Untersuchungen um die Inseraten-Vergabe der ASFINAG aufgerollt beziehungsweise umfassender geführt werden. Die damals verantwortlichen Manager der Straßenbau-Gesellschaft sollen noch einvernommen werden.

August 2012
In verschiedenen Medien tauchen die Einvernahmeprotokolle von Faymann und Ostermayer auf. Der Bundeskanzler soll dabei erklärt haben, dass er die umstrittene ÖBB-Kampagne gemeinsam mit dem ehemaligen "Krone"-Herausgeber Hans Dichand eingefädelt habe. Das angeschlagene Image der ÖBB sei ihm ein Anliegen gewesen, so Faymann. Zwei Gutachten sehen unterdessen keinen Schaden für die ÖBB.

Neue Vorwürfe tauchen auf. Faymann und Ostermayer sollen Inseratenaufträge sogar ohne Rücksprache mit den betroffenen Staatsunternehmen erteilt haben. Die SPÖ weist die Anschuldigungen zurück, die ÖVP sieht einen "Skandal erster Rangordnung". VP-Klubobmann Karlheinz Kopf will Faymann und Ostermayer vor dem Untersuchungsausschuss sehen. Alles andere würde "niemand verstehen". Faymann erklärt, dass er dem parlamentarischen Kontrollorgan als Zeuge zur Verfügung stehe. "Das gehört dazu, man muss Rede und Antwort stehen". Hinter den Kulissen blockiert die SPÖ hingegen eine Ladung Faymanns. Die Verhandlungen über die Zeugenladungen im U-Ausschuss platzen.

September 2012
Just zu dem Zeitpunkt, als sich der U-Ausschuss mit der Inseratenaffäre beschäftigen soll, steuert dieser auf sein abruptes Ende zu. Wieder gibt es neue Vorwürfe. Faymann soll die Inserate in der "Krone" entgegen seinen Angaben doch selbst beauftragt haben. Vertrag und Finanzierung sollen zudem erst Monate nach Anlaufen der Kampagne geregelt worden sein. Diese "nachträgliche Genehmigung" könne laut Oberstaatsanwaltschaft als "taugliche Missbrauchshandlung" im Sinne der Untreue gesehen werden, heißt es in Medienberichten. Der Bundeskanzler glaubt indes nicht an eine Anklage. Inserate zu schalten sei nicht verboten. "Irgendwann wird das eingestellt werden", so Faymann im ORF-"Sommergespräch".

SPÖ-Klubobmann Josef Cap sieht im "Sommergespräch" auch gleich einen adäquaten Ersatz für eine Ladung Faymanns vor den U-Ausschuss. Aus der ÖVP heißt es, dass die SPÖ eine Ladung Faymanns zur Koalitionsfrage erklärt habe. Faymann erklärt unterdessen weiter, den Abgeordneten als Zeuge zur Verfügung zu stehen, während sein Parlamentsklub alles gegen eine solche Ladung unternimmt.

Die ÖVP, die im Zuge der Inseratenaffäre für Faymann belastende Unterlagen an Medien weitergespielt hat, macht nun doch wieder gemeinsame Sache mit dem Koalitionspartner. "Ein wechselseitiges Überstimmen wäre ein offener Koalitionsbruch und würde Neuwahlen bedeuten", heißt es. SPÖ und ÖVP drohen den U-Ausschuss vorzeitig zu beenden. Ein entsprechender Fristsetzungsantrag wird am Mittwoch im Parlament eingebracht: Er sieht das Aus für den Ausschuss am Freitag darauf vor.