Alles andere als positiv beurteilt auch Raiffeisen Research die kurzfristigen wirtschaftlichen Aussichten in Kroatien. Die hohe Arbeitslosigkeit - 17 Prozent sind auf Jobsuche, von den 15 bis 25-Jährigen ist sogar die Hälfte ohne Beschäftigung - wird nach Schätzungen der Analysten im kommenden Jahr sogar auf knapp 20 Prozent steigen. Auch bei Privatkonsum und Investitionen kommt das unter Wirtschaftskrise und mehrjähriger Rezession leidende Land nicht aus der Abwärtsspirale. Als wichtigste Aufgaben sieht Raiffeisen Research die "Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, den Abbau administrativer Hürden und das Schaffen eines günstigen Unternehmensumfeldes". Wenn auch nicht explizit genannt, bedeuten diese Vorschläge jedoch den Verlust weiterer Jobs, vor allem im öffentlichen Sektor.

In der Wirtschaftsflaute ist es kaum verwunderlich, dass am Donnerstag die kroatische Regierung mitteilte, sie habe das für 2013 vorgesehene Budgetdefizit von 1,34 Milliarden Euro (10 Milliarden Kuna) bereits nach einem halben Jahr überschritten, es werde voraussichtlich 14 Milliarden Kuna im ganzen Jahr ausmachen. Um einen Staatsbankrott zu vermeiden, müsste das staatliche Eigentum "in Funktion" gesetzt werden, sagte Finanzminister Slavko Linic. So sollen unter anderem Konzessionsnehmer für die staatliche Autobahnen gesucht werden. 500 Unternehmen, an denen der Staat beteiligt ist, wo er aber keine strategischen Interessen hat, sollen in das Zentrum für Verkauf und Restrukturierung ausgelagert und die Anteile so schnell wie möglich verkauft werden.

Dafür haben kroatische Verbraucher einen Sieg gegen Banken errungen: Das Handelsgericht in Zagreb urteilte am Donnerstag zugunsten der Verbraucherschützer, die acht kroatische Banken wegen Krediten in Schweizer Franken, beziehungsweise der Währungsklausel und einseitiger Anhebung des Zinssatzes, geklagt hatte. Als Reaktion auf das nicht rechtskräftige Urteil hat die Zagreber Börse den Handel mit Aktien der Zagrebacka banka (UniCredit) und PBZ (Intesa) sowie mit Anleihen der Erste & Steiermärkischen Sparkasse ausgesetzt. Die Börse begründete den Entscheid damit, dass davon auszugehen sei, dass der Wert der Papiere in beträchtlichem Ausmaß beeinflussen werde und die Börse die Anleger schützen müsse.