Potsdam. Die deutsche Regierung will bis zum Jahr 2025 zusätzlich drei Mrd. Euro in die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz investieren.

"Wir machen mit der KI-Strategie unseren Anspruch deutlich, Deutschland zu einem führenden Standort für Künstliche Intelligenz zu machen, sowohl in der Forschung als auch in der Anwendung", sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU)  zum Auftakt einer Kabinettsklausur zur Digitalstrategie in Potsdam.

Die deutsche Bundesregierung gehe davon aus, dass private Investitionen in gleicher Höhe hinzukämen, so dass bis 2025 insgesamt sechs Mrd. Euro zusätzlich investiert würden.

"Wir wollen, dass in Deutschland mittelständische und exportorientierte Unternehmen bei der Digitalisierung vorangehen, weil wir damit Produktivitätsvorteile erzielen und ein volkswirtschaftliches Wachstum von zusätzlich rund 1,3 Prozent erzielen können", erläuterte Altmaier. "Das ist mehr als bei allen großen Basis-Innovationen seit Erfindung der Dampfmaschine."

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte im Nachrichtenportal t-online.de einen Innovationsschub bei der Digitalisierung. "Deutschland und Europa müssen in Zukunft führender Standort für Künstliche Intelligenz sein", sagte sie.

Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) will 100 neue Professuren für Künstliche Intelligenz schaffen. Dafür wolle man auch ausländische Wissenschafter nach Deutschland locken.

Dafür müsse Deutschland ein tolerantes und weltoffenes Land bleiben, mahnte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD). "Bis zum Jahr 2025 werden durch den technologischen Fortschritt, durch Automatisierung und den Einsatz von künstlicher Intelligenz ungefähr 1,6 Millionen Arbeitsplätze wegfallen, aber gleichzeitig werden 2,3 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen", sagte er. Dies bedeute, dass Arbeitnehmer in großem Maße aus- und weitergebildet werden müssten, sagte Heil.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kritisierte, Deutschland könne bei der Künstlichen Intelligenz mit China und der USA nicht mithalten. "Lediglich 92,4 Mio. Euro investierte der Bund 2017 in die Forschung und Entwicklung von Künstlicher Intelligenz", teilte das IW am Mittwoch mit. Auch die EU stelle von ihrem geplanten Haushaltsbudget bis 2027 gerade einmal 0,2 Prozent für Forschung und Entwicklung der Künstlichen Intelligenz bereit.

Die deutsche Regierung versprach einen Rechtsanspruch auf schnelles Internet für alle Bürger ab 2025. Bis dahin solle der Ausbau des Glasfasernetzes fertig sein, sagte Kanzleramtsminister Helge Braun am Mittwoch im ARD-"Morgenmagazin".

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) weitet die Förderung für schnelleres Internet in Schulen und Kliniken aus und will damit weitere "weiße Flecken" beseitigen. "Wir bringen ab sofort das Turbo-Internet in alle Klassenzimmer, Gewerbegebiete und auch in Krankenhäuser", erklärte er in Berlin.

Künstliche Intelligenz trägt enorm zu Wachstum bei

Künstliche Intelligenz (KI) hat laut einer aktuellen Studie größeres Potenzial für das Wirtschaftswachstum als alle technologischen Entwicklungen zuvor. In Deutschland könne die Technologie bis 2030 das jährliche Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,3 Prozentpunkte steigern, schätzt das Beratungshaus McKinsey.

Damit liege das Potenzial leicht über dem globalen Durchschnitt (1,2 Prozentpunkte) und damit gleichauf mit China. Doch China investiere aktuell deutlich mehr. Und vorne lägen die USA (1,5 Prozentpunkte) sowie Schweden (1,7 Prozentpunkte).

"Deutschland verfügt über genügend Kapazitäten, um Innovation in großem Maßstab realisieren und die Vermarktung von KI-Lösungen beschleunigen zu können", sagte Peter Breuer von McKinsey in Köln. Bedarf sieht der Marktbeobachter jedoch bei Investitionen in Forschung und Entwicklung. 2017 seien bereits 48 Prozent der weltweiten Investitionen für Start-ups, die sich mit KI befassen, in chinesische Gründungen geflossen.

Insgesamt erwarten die Marktanalysten bis 2030 von Anwendungen auf Basis von Künstlicher Intelligenz einen zusätzlichen globalen Wertschöpfungsbeitrag in Höhe von 13 Billionen US-Dollar (11,5 Bill. Euro). Künstliche Intelligenz steht seit Mittwoch auch im Zentrum einer zweitägigen Klausur des Bundeskabinetts in Potsdam. Nach jüngsten Plänen will die deutsche Regierung 3 Mrd. Euro in die KI-Forschung investieren. Laut früheren Berechnungen von McKinsey haben Technologieriesen wie Google oder Baidu allerdings bereits im Jahr 2016 bis zu 30 Mrd. Dollar dafür ausgegeben.