Wien. Der breite Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) in der Medizin könnte helfen, schwere Krankheiten früher zu erkennen, Millionen von Menschen besser zu therapieren - und in Europa die prognostizierten Gesundheits- und Folgekosten binnen zehn Jahren um eine dreistellige Milliardensumme zu senken. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Sherlock in Health" des Beratungsunternehmens PwC.

Gesundheitsausgaben gehören zu den größten Ausgabenposten moderner Volkswirtschaften. In Österreich betrugen sie im Jahr 2014 rund 33,8 Milliarden Euro, das entsprach 10,3 Prozent des BIP und einem Platz im EU-Spitzenfeld. Diese Ausgaben werden weiter steigen, zum Teil deshalb, weil die Bevölkerung in Europa weiter altert: Im Jahr 2040 werden bereits 26 Prozent der Menschen älter als 65 Jahre sein.

"Der Weg hin zum großflächigen Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Medizin ist schwierig, denn KI funktioniert nur auf Basis riesiger Datenbestände - und die müssen zunächst konsequent aufgebaut werden", wurde Alexander Soukup, Senior Manager im Bereich Management Consulting bei PwC Österreich, am Mittwoch in einer Aussendung zitiert. "Dennoch ist der potenzielle Nutzen von künstlicher Intelligenz so gewaltig, dass es sich ohne Zweifel lohnen wird, diesen Weg zu gehen."

Die PwC-Studie konzentrierte sich auf drei besonders verbreitete Krankheitsbilder: Fettleibigkeit bei Kindern, Demenz und Brustkrebs. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dürfte in der EU in etwa jedes dritte Kind zwischen sechs und neun Jahren an Fettleibigkeit leiden. 60 Prozent werden das auch im Erwachsenenalter sein. Laut Schätzungen werden inzwischen sieben Prozent der jährlichen Gesundheitsbudgets in der EU für Krankheiten verwendet, die mit Fettleibigkeit zu tun haben.

Erste klinische Studien zeigten nun, dass sich mithilfe künstlicher Intelligenz womöglich schon aus den Gesundheitsdaten von Zweijährigen ablesen lässt, welche Kinder einem besonders hohen Risiko ausgesetzt sind, später an Übergewicht zu leiden. "Die Hoffnung ist, dass sich dadurch in einigen Jahren sehr viel genauer sagen lässt, inwieweit Übergewicht im Einzelfall mit dem Lebenswandel, den Ernährungsgewohnheiten oder der genetischen Disposition zu tun hat. Dadurch würden sich die Therapiemöglichkeiten signifikant verbessern", so Soukup. Die PwC-Studie kommt zu dem Schluss, dass sich dank künstlicher Intelligenz die Gesundheitskosten für Übergewicht um europaweit grob geschätzt 90 Milliarden Euro innerhalb der nächsten zehn Jahre senken ließen.