Mensch und Maschine verschmelzen zu einem Wesen. Auf dem Weg dorthin gibt es noch einige Hürden zu überwinden. Unter anderem die Frage: Ist dieses neue Wesen dann noch menschlich? Mit dieser Art von Zukunftsvisionen beschäftigt sich Janina Loh, Philosophin und kritische Posthumanistin.

Transhumanismus und Posthumanismus – klingt sperrig, ist aber hochspannend, und es hat mit Robotern zu tun. Und Science Fiction. Und Philosophie. Und über all das kann man mit Janina Loh, Assistentin am Institut für Philosophie in Wien, wunderbar diskutieren.

Allerdings, zugegeben, wer in launiger Runde mit Themen, die auf -humanismus enden, beginnt, erntet mit hoher Wahrscheinlichkeit verstörte bis glasig-desinteressierte Blicke. Also beginnen wir anders: mit Iron Man – einem transhumanistischen Comic-Helden, oder?

Als Janina Loh mit der Frage konfrontiert wird, ob denn dann Iron Man eine transhumanistische Idee sei, lacht sie laut und wiegt zustimmend ihren Kopf. Denn so weit weg vom Kern dieser philosophischen Richtung sind wir damit gar nicht.

Tatsächlich beschäftigt sich der Transhumanismus mit der Idee vom verbesserten Menschen. Diese Verbesserung, auch als "Human Enhancement" bezeichnet, kann durch technische Hilfsmittel passieren. "Aber auch Kosmetik, Sport oder pränatale Diagnostik können solche Verbesserungen ermöglichen. Und das gehört mittlerweile zu unserem Alltag", versucht Loh den Ausflug ins Comic-Universum wieder zu relativieren. "Nicht jedes Human Enhancement bedeutet automatisch, dass man es mit Transhumanismus zu tun hat." – Also ist es doch nicht ganz so einfach.

Der Humanismus, dunkel erinnert man sich womöglich noch aus der Schulzeit, ist eine philosophische Richtung, die sich damit beschäftigt, dass der Mensch mittels Erziehung oder Bildung zu einem besseren Menschen wird. Der Transhumanismus entwickelt diese Idee weiter und spielt mit Szenarien, in denen der Mensch durch Verbesserungen zum "Supermenschen" wird.

Wohlgemerkt, man denkt dabei an dieses neue, verbesserte Wesen immer noch als an einen Menschen. Aber: "Der Mensch wird durch diese Enhancements zum Supermenschen, die menschliche Lebenszeit könnte bis zur Unsterblichkeit verlängert werden", skizziert die Philosophin die am weitesten reichenden Visionen. Transhumanismus, führt sie weiter aus, wolle den Menschen weiterentwickeln, optimieren, modifizieren.

Und was ist Posthumanismus? Das ist, wenn der Mensch, so wie er jetzt ist, überwunden wird. Das so entstandene Wesen ist dann kein Mensch mehr.
– Sondern? Womöglich ein Hulk? – Wieder ein Lachanfall der Philosophin. Nein, meint Janina Loh, das führe ihr dann doch zu weit. Tatsächlich wisse man es nicht, denn: "Wir können uns das eben nicht vorstellen. Keine unserer Utopien trifft hier zu. Wir können es uns so wenig vorstellen, wie ein Affe sich vorstellen kann, was ein Mensch ist – dieser Vergleich stammt übrigens vom Transhuamnisten Nick Bostrom und gilt auch für den Transhumanismus. Denn auch dessen Vertreter, glauben nicht, dass man sich das Ende der Entwicklungen des Menschen heute schon genau vorstellen kann. Für den Technologischen Posthumanismus hingegen ist klar, dass die Zukunft ein superintelligenter Computer sein wird. Eine künstliche Superintelligenz soll demnach der nächste Schritt der Evolution sein."