In der Industrie sind Roboter bereits gang und gäbe - allerdings als teilweise riesige Maschinen und aus Sicherheitsgründen streng getrennt von Menschen. Mit der kollaborativen Robotik solle sich das ändern. Diese sogenannten Cobots sollen so sicher gestaltet sein, dass sie physisch nahe mit Menschen arbeiten, gemeinsam Teile bauen können. Mara will wissen, wie die Cobots sich verhalten sollen, damit Menschen sich bei der Zusammenarbeit wohlfühlen. "Wichtig ist, dass man den Menschen ermöglicht, die Maschine zu verstehen, sie kommunizieren kann, was ihre nächsten Schritte sind." Lichtsignale sind ein Ansatz, ein anderer ist das Bewegungsdesign. Wenn der Roboter in einer kurvigen statt linearen Bewegung nach etwas greift, wird er zwar ineffizienter, aber der Mensch versteht schneller, was der Roboter vorhat und kann mit seinem Arbeitsschritt früher beginnen, wodurch das Team insgesamt schneller wird. "Das finde ich total spannend, da sehe ich noch großes Forschungspotenzial."

Die Chancen aber auch Risiken der Robotik und KI sowie mögliche Handlungsfelder zeigt Mara als Mitglied des österreichischen Rats für Robotik der Politik auf. Dabei geht es darum, soziale Aspekte, ethische Richtlinien und Werte zu beachten. Im Herbst wird ein erstes "White Paper" veröffentlicht. Wichtig ist es der Technikpsychologin auch auf Stereotypen hinzuweisen, etwa im Bereich des Machine Learning, wobei KI-Systeme aus einem großen Pool an Trainingsdaten lernen und die Erkenntnisse auf neue Daten anwenden. Dass diese Daten von Menschen gemacht und dabei auch Fehler und Klischees mitübertragen werden, sei vielen nicht bewusst.

So verwende ein Programm für das türkische Personalpronomen "o", das "er", "sie" oder "es" heißen kann, aufgrund seiner Erfahrungen mit den Lerndaten die männliche Übersetzung in "er ist fleißig, er ist Arzt", aber die weibliche in "sie ist faul, sie ist Krankenschwester", obwohl es nicht wissen konnte, was gemeint war. "Das sind ganz aktuelle Probleme, um die man sich kümmern müsste", betont die Professorin. Denn auch Personalabteilungen in Firmen würden KI-unterstützte Entscheidungshilfen zur Vorselektierung von Job-Bewerbern anwenden. "Wenn zum Beispiel ein Stationsarzt gesucht wird und das System sortiert überproportional weibliche Kandidaten aus, weil es gelernt hat, dass so einen Job eher Männer machen, ist das schon ein Problem", so Mara.

An der Uni möchte die Wissenschafterin, die am 5. November ihre Antrittsvorlesung hält, den interdisziplinären "Spirit" aus dem Ars Electronica Futurelab mitnehmen. Die JKU sei ohnehin offen für interdisziplinäre Kooperationen, "es ist ein Nexus der künstlichen Intelligenz rund um mich mit den Instituten von Sepp Hochreiter, Gerhard Widmer und Armin Biere", am Linz Institute of Technology sollen verschiedene Perspektiven auf digitale Transformation zusammenkommen. "Mein großes Ziel ist es, dass Sozialwissenschaften und Psychologie schon früh in der Entwicklung von neuen Technologien, die in unsere Gesellschaft kommen, mitwirken, dass der ganze Prozess interdisziplinär vonstattengeht und natürlich, dass die Roboter- und KI-Systeme menschengerecht gestaltet werden."

Außerdem hofft Mara, die heuer den BAWAG-Frauenpreis für herausragende Leistungen und besonderes Engagement von Frauen für die Gesellschaft erhält, dass sie mehr Studentinnen für technische Fächer an der JKU motivieren kann. Sie persönlich würde ungern im Medizinbereich auf KI verzichten, wenn es darum geht, "dass eine KI Millionen von Daten und Bildern mit meinen vergleichen kann und gemeinsam mit Ärzten zu viel akkurateren Diagnosen kommt". Auch die autonome Mobilität hat für die Oberösterreicherin in vielen Fragen Sinn. "Richtig gern hätte ich einen Bot, der meine Termine gut organisiert und der diese ganzen 'Privacy Policies' für mich übersetzt, der mir beim Management meiner Privatsphäre-Einstellungen im Internet und bei Apps hilft", wüsste die Mara noch eine gute Verwendung für künstliche Intelligenz.