Venedig. Prunk und Protz sind passé. Die Architekturbiennale in Venedig besinnt sich eher auf ethisches Bewusstsein: Edelmodelle sucht man vergeblich, Konsumkritik, Öko und soziale Projekte stehen im Mittelpunkt der Länderpräsentationen in den Giardini. Aber auch auf virtuelle und zukünftige Welten, wie sie Österreich im Hoffmann-Pavillon betont, trifft man im Nationengarten immer wieder.

Im österreichischen Pavillon zeigen Kommissär Arno Ritter, Architekt Wolfgang Tschapeller und ihr künstlerisches Team ein gespenstisches, virtuelles Stück über die Konstruierbarkeit des menschlichen Körpers. Im Hauptpavillon haben Manfred und Laurids Ortner eine Wanderbühne aufgestellt. Da vollzieht sich Architektur als Performance und ein radikaler Bruch mit der statischen Präsentation von Modellen und Fotos.

Den Pavillon von Josef Hoffmann im hinteren Eck der Giardini betritt man am einfachsten über eine Seitentüre. Die meisten zwängen sich trotzdem lieber durch die arg verkleinerte Vorderpforte - und werden durch ihr Eintreten bereits Teil des Spektakels. Auf der einen Seite ein gewaltiger Spiegel, auf der anderen eine Projektionsfläche, hat sich der ganze Pavillon in ein Spiegel- und Schattenkabinett verwandelt. An den weißen Wänden wandeln seltsame Gestalten entlang. Fast durchsichtig, roboterhaft, tanzend, neurotisch, künstlich: Entstanden sind sie durch die mehrfache Überlagerung von Scan-Daten. "Konstruiert wie ein Gebäude in der Architektur", erklärte Kommissär Arno Ritter. Das Erlebnis im Pavillon findet freilich auf einer anderen, auf einer theatralen Ebene statt. Ein fleckiger Mann verfolgt die Besucher. Ein anderer reagiert auf Nähe, in dem er sich den Kopf abnimmt.

In seiner internationalen Ausstellung "Common Ground" geht Biennale-Direktor David Chipperfield mit klaren moralischen Botschaften ans Werk, die einzelnen Länder haben sich diesem Duktus und dem diesjährigen Motto brav angeschlossen. So fordert Deutschland zu "Reduce, Reuse, Recycle" und damit zur Wertschätzung des Vorhandenen in der Architektur auf. Kanada feiert sich selbst in duftendem Holzinterieur als migrationsfreundliches Land, dessen Architektur von den Einflüssen seiner Einwanderer profitiert hat. Konsum- und Kapitalismuskritik wird gleich in mehreren Pavillons groß geschrieben, neben Deutschland plädiert man auch in Belgien für ein Umdenken. Für alle geöffnet ist die 13. Architekturbiennale ab Mittwoch bis zum 25. November.