Bewaffnete Rebellen haben den Norden Malis erobert. - © EPA
Bewaffnete Rebellen haben den Norden Malis erobert. - © EPA

Dakar/Paris. (da) Malis Militärs stehen vor dem Scherbenhaufen ihres Putsches vor knapp zwei Wochen: Die von ihnen bekämpften, sezessionistischen Tuareg-Rebellen halten bereits den gesamten Norden des afrikanischen Landes. Am Sonntag wurde auch die Stadt Timbuktu eingenommen, Augenzeugen berichteten von Plünderungen. Zudem ist die Junta unter Amadou Sanogo politisch isoliert. Nur 3 von 147 Parlamentariern Malis unterstützen den Staatsstreich. Mehrere Länder der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas haben am Montag nach Ablauf eines Ultimatums Sanktionen gegen die Putschisten verhängt: Bis diese die Macht an eine zivile Regierung abgeben, sollen die Grenzen geschlossen bleiben und Finanztransfers eingeschränkt werden. Die Ecowas hat zudem beschlossen, "unverzüglich" ihre Eingreiftruppe in Alarmbereitschaft zu versetzen.

Die Junta hat ihrerseits die Verfassung und alle staatlichen Institutionen für wiederhergestellt erklärt. Die Putschisten versprachen auch, die Macht an eine Zivilregierung abzugeben und Neuwahlen zu organisieren - einen Zeitpunkt dafür nannten sie jedoch nicht.

Gaddafis frühere Söldner

Die Tuareg-Nomaden haben auch schon der von den Putschisten gestürzten Regierung zu schaffen gemacht. Seit Jahrzehnten kämpfen sie für mehr Autonomie oder gar einen eigenen Staat. Nach ihrer Vorstellung würde sich "Azawad" über Teile Malis, Algeriens, Libyens und des Niger erstrecken. Unterstützt wurden die Tuareg zeitweise von Libyens früherem Diktator Muammar al-Gaddafi.

Die rund 70.000 Mann starke Armee Malis ist den Rebellen, die im Verlauf des vergangenen Jahres aus Libyen zurückgekehrt sind, nicht gewachsen. Als Gaddafis Elitetruppen wurden sie bestens ausgebildet und nahmen bei ihrer Flucht auch noch modernstes Kriegsgerät mit, analysiert die "Frankfurter Rundschau".

Kein Zweifel besteht für David Zounmenou, Westafrika-Experte des Instituts für Sicherheitsfragen in Pretoria, dass den Tuareg militärisch begegnet werden müsse. Die Sezessionsbestrebungen seien eine Gefahr für die Stabilität in der gesamten Region. Das militärische Potenzial zu einem Sieg über die Tuareg hätte aber nur eine Ecowas-Truppe. Die Gemeinschaft hat bereits erklärt, sie wolle die "territoriale Integrität" Malis wiederherstellen. Dagegen hat die ehemalige Kolonialmacht Frankreich ein militärisches Engagement ausgeschlossen.

Reisewarnung ausgegeben

Mehrere europäische Staaten raten ihren Bürgern mittlerweile angesichts der unsicheren Lage, Mali zu verlassen. Das österreichische Außenministerium warnt seit einigen Tagen vor allen Reisen nach Mali.