Der von den Tuareg ausgerufene Staat Azawad würde den Norden Malis umfassen. - © Stepmap / WZ Online
Der von den Tuareg ausgerufene Staat Azawad würde den Norden Malis umfassen. - © Stepmap / WZ Online

Die Tuareg-Rebellen der Nationalen Befreiungsbewegung von Azawad (MNLA) haben die Unabhängigkeit für den Norden Malis ausgerufen. "Wir verkünden feierlich die Unabhängigkeit von Azawad, die von heute an gilt", sagte MNLA-Sprecher Mossa Ag Attaher am Freitag dem französischen Sender France 24. Die MNLA wolle die Grenzen zu den angrenzenden Staaten anerkennen, ergänzte er. Auch in einer im Internet verbreiteten Erklärung gaben die Tuareg-Rebellen die Unabhängigkeit von Azawad bekannt.

Azawad nennen die Tuareg-Rebellen ihre Heimatregion, die sich in Mali vom Westen bis in den Norden erstreckt und auch Teile Nord-Nigers und Süd-Algeriens umfasst. Das über mehrere Staaten verteilte Nomadenvolk der Tuareg hatte in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gewaltsam aufbegehrt.

Wer ist schuld an Übergriffen?

Amnesty International warnt vor einer "schweren humanitären Katastrophe" im Norden Malis. Seit der Erstürmung durch Tuareg-Rebellen und der islamistischen Gruppe Ansar Dine habe es in der Region um die Städte Gao, Kidal und Timbuktu "Tage voller Plünderungen, Entführungen und Chaos" gegeben, teilte die in London ansässige Menschenrechtsorganisation am Donnerstag mit. Zudem gebe es Berichte über Vergewaltigungen.

Allerdings ist es fraglich, ob man die kriminellen Aktivitäten den Rebellen anlasten kann. Die MNLA verurteilte am Donnerstag in einem Communiqué klar die Entführung algerischer Diplomaten, Vandalenakte und andere Übergriffe in Gao.

Die humanitäre Lage verschlechtere sich zusehends, erklärte Amnesty. In Gao sei beispielsweise die Strom- und Wasserversorgung unterbrochen. Die Vorräte an Lebensmitteln und Medikamenten der Hilfsorganisationen seien geplündert worden. Die meisten Helfer seien geflüchtet. "Die Menschen sprechen von einer nahezu völligen Gesetzlosigkeit."

Nach dem Militärputsch vom 22. März gelang es Tuareg-Rebellen und Islamisten weite Teile des Nordens unter ihre Kontrolle zu bringen. Der Norden Malis ist seitdem kaum mehr zugänglich. Die Lage ist dort auch angesichts der Vielzahl bewaffneter Gruppen sehr unübersichtlich. Laut Amnesty sind seit Beginn der Unruhen bereits mehr als 200.000 Menschen aus der Region geflohen. Die Hälfte davon habe sich in Nachbarländern in Sicherheit gebracht.

EU für territoriale Unversehrtheit Malis

Die Europäische Union und die Afrikanische Union (AU) lehnen die von Tuareg-Rebellen ausgerufene Unabhängigkeit für den Norden Malis ab. "Die EU hat in der Krise durchgehend deutlich gemacht, dass sie die territoriale Unversehrtheit Malis respektiert", erklärte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton am Freitag in Brüssel. "Die EU wird weiterhin humanitäre Hilfe in bedürftige Gemeinden liefern, wo auch immer diese sich befinden."

Auch die Afrikanische Union (AU) wies die Ausrufung der Unabhängigkeit durch die Rebellen zurück. Diese sei "nichtig und habe keinen Wert", hieß es in einer Erklärung von AU-Kommissionspräsident Jean Ping. Ähnlich hatte sich zuvor der französische Außenminister Gerard Longuet geäußert.

Die Ashton-Sprecherin rief erneut dazu auf, die Krise in dem westafrikanischen Land innerhalb der verfassungsrechtlichen Bestimmungen beizulegen. Die Europäische Union unterstütze die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) bei der Suche nach einem politischen Ausweg.