Bamako/Juba/Ouagadougou. In ganz Afrika geht die Angst um vor einem neuen, riesigen Konfliktherd in der Sahelzone. Seit Islamisten im Norden Malis Fuß gefasst haben, besteht die Gefahr eines Flächenbrandes, der weite Landstriche mit Terror überzieht. Die Menschen sind auf der Flucht, mehr als 200.000 suchen Schutz in den angrenzenden Staaten. In Mali selbst haben 155.000 ihr Heim verlassen, es spielen sich dramatische Szenen ab. Die Menschen versuchen, den mörderischen Kämpfen zu entkommen, die sich zwischen den Rebellengruppen - islamistischen und säkularen - abspielen.

Die islamistischen Gruppen Ansar Dine (Kämpfer des Glaubens), die Bewegung für Einheit und Jihad in Westafrika (Mujao) und die Al-Kaida im afrikanischen Maghreb bedrohen die Stabilität der gesamten Region, die Gefahr eines Afghanistan in Afrika wächst. Der Vergleich mit den Taliban ist nicht zufällig gewählt. Wie die Gotteskrieger am Hindukusch zerstören die Islamisten Kulturgüter von unvorstellbarem Wert. 2001 ließen auch die Taliban von den weltberühmten Buddha-Statuen im Tal von Bamiyan wenig übrig. Die in Stein gehauenen Figuren wurden in die Luft gesprengt, weil sie in den Augen der Islamisten unzulässige Konkurrenz zu Allah darstellten. Ein ähnliches Zerstörungswerk vollendeten die Islamisten jetzt zum Entsetzen der Welt in Timbuktu, einer Stadt, die zum UN-Weltkulturerbe zählt.

Mit Spitzhacken und Meißeln wurden Grabstätten islamischer Heiliger zerstört, gestern, Dienstag, haben die Fanatiker zwei Mausoleen der großen Djingareyber-Moschee geschleift, wie Augenzeugen berichten. Die "heilige Tür" der Sidi-Yahia-Moschee wurde bereits einige Tage zuvor zertrümmert. Alle Manifestationen des Volksislam, so die Fanatiker, müssten dem weichen, was sie für den "echten Islam" halten. Die Verehrung von Heiligen gilt den Fundamentalisten als gotteslästerlich.

Islamisten in Mali und Taliban sind ähnlich

Es gibt schon lange niemanden mehr, der den Islamisten Malis in den Arm fällt. Soldaten der regulären Armee haben sich längst aus dem Gebiet zurückgezogen, in der Hauptstadt Bamako muss die Regierung hilflos mitansehen, wie der Norden immer mehr in Anarchie und Gewalt versinkt.

Dass Ansar Dine und Taliban Brüder im Geiste sind, zeigt sich auch in ganz anderen Bereichen. Die afrikanischen Extremisten ließen "Ungläubige" auspeitschen, Alkohol, Zigaretten, Musik und Filmvorführungen sind verboten. Für Aufsehen und Empörung sorgten Videos, die zeigen, wie ein junges Paar in Timbuktu Stockhiebe erhält, weil es ein Kind hat, ohne verheiratet zu sein. Zeugen der Szene sind hunderte Schaulustige.