Paris/Bamako/Dakar. Angesichts des Vormarsches der Islamisten in Mali haben französische Soldaten aktiv in die Kämpfe in dem westafrikanischen Land eingegriffen. Die Soldaten leisteten "Unterstützung für die malischen Truppen, um gegen diese terroristischen Elemente zu kämpfen", sagte Präsident François Hollande am Freitagabend in Paris. Truppen aus Frankreich, Nigeria und dem Senegal seien gemeinsam mit Soldaten der Regierung im Einsatz.

Die Operation werde so lang dauern wie notwendig, sagte Hollande. Der malische Interimspräsidenten Dioncounda Traoré hatte zuvor in einem Brief an Hollande und UN-Generalsekretär Ban Ki-moon um Hilfe gebeten. Das französische Parlament soll sich am Montag mit dem Thema befassen. Alle Franzosen wurden aufgefordert, Mali zu verlassen, sofern ihre Anwesenheit nicht unabdingbar sei.

Islamisten stoßen nach Süden vor

Auch die Regierung in Mali bestätigte die militärische Unterstützung aus dem Ausland. Truppen aus Frankreich, Nigeria und dem Senegal seien gemeinsam mit Soldaten der Regierung im Einsatz, um die islamistischen Rebellen zu bekämpfen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in der Hauptstadt Bamako. Extremisten versuchen seit Tagen, weiter nach Süden vorzudringen und die strategisch wichtige Stadt Mopti zu erobern.

Auch die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ( ECOWAS) bereitet sich derzeit auf die Entsendung einer 3500 Mann starken Truppe nach Mali vor. Nach intensiven Beratungen sei gemäß des UN-Sicherheitsratsbeschlusses entschieden worden, die sofortige Entsendung von Bodentruppen zu erlauben, erklärte am Freitag der ivorische Präsident Alassane Ouattara, der derzeit den ECOWAS-Vorsitz inne hat.

Keine Truppen unter EU-Flagge

Die Europäische Union plant derzeit keinen Kampfeinsatz unter EU-Flagge in Mali. Man wolle aber etwa 200 Militärberater entsenden, die malische Soldaten auf den Kampf gegen Rebellen vorbereiten sollen, sagten Diplomaten in Brüssel. Es sei jedoch nicht daran gedacht, diesen Einsatz in irgendeiner Weise auszuweiten. Mali habe bei der EU auch nicht wie in Paris um Hilfe gebeten.

Die Europäische Union will die Militärausbilder allerdings rascher als bisher geplant nach Mali schicken. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton teilte am Freitag in Brüssel mit, die EU werde die Vorbereitungen für die Entsendung der Ausbilder "beschleunigen". Bisher war geplant, die Ausbilder innerhalb der ersten drei Monate dieses Jahres nach Mali zu schicken.

Der Norden des westafrikanischen Landes wird seit Monaten von Islamisten beherrscht. Sie versuchen derzeit, weiter nach Süden vorzudringen. Befürchtet wird, dass sich Mali zu einer Hochburg des internationalen Terrorismus entwickeln könnte.

Die Kämpfe rund um den Ort Kona in Zentral-Mali dauerten am Freitag an. Am Morgen habe es neue Gefechte gegeben, sagte ein Anwohner der Nachrichtenagentur dpa am Telefon. Der Ort war die letzte Kontrollstelle in der Region, die noch in der Hand der Armee war. Die Extremisten wollen offenbar die strategisch günstig gelegene Stadt Mopti erobern, die nur wenige Kilometer von Kona entfernt liegt.

Das österreichische Außenministerium hatte nach dem Militärputsch in Mali am 22. März 2012 eine Reisewarnung ausgesprochen, die immer noch aufrecht ist. "Es wird vor allen Reisen nach Mali gewarnt", ist auf http://www.bmeia.gv.at zu lesen.