Paris. Frankreich hat nach der Entsendung von Truppen nach Mali erste Erfolge im Kampf gegen die islamistischen Rebellen verkündet. Die Luftwaffe habe die mutmaßlich von Al-Kaida-Kämpfern geführten Aufständischen aus der strategisch wichtigen Stadt Konna (Kona) im Landesinneren zum Rückzug gezwungen, berichtete der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Samstag in Paris.

Mehrere Kampfhubschrauber hätten zudem eine "terroristische Kolonne" im Süden des Landes attackiert und gestoppt. Bei den "intensiven Kämpfen" sei ein französischer Hubschrauberpilot getötet worden. Die Islamisten drohten mit Vergeltung.

Am Abend wurde EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso zu Gesprächen in Paris erwartet. Die Europäische Union plant derzeit keinen Kampfeinsatz unter EU-Flagge in Mali. Sie will aber etwa 200 Militärberater entsenden, die malische Soldaten auf den Kampf gegen Rebellen vorbereiten sollen.

Leichen in den Straßen von Konna

Hunderte französische Soldaten beteiligen sich in Mali an Luftangriffen gegen die Richtung Süden vorgerückten Rebellen sowie an der Sicherung der Hauptstadt Bamako. Die Truppen griffen in Konna "letzte Widerstandsnester" an, verlautete aus Armeekreisen. Bei den Kämpfen um die Stadt wurden nach Angaben eines Armeesprechers "etwa hundert" Islamisten getötet. Einwohner berichteten der Nachrichtenagentur AFP von "dutzenden Leichen" in den Straßen der Stadt.

Der französische Präsident François Hollande hatte am Freitagabend die Öffentlichkeit über den Kampfeinsatz französischer Truppen in Mali informiert. Der französische Premier Jean-Marc Ayrault sagte am Samstag nach Angaben der Agentur AFP, der Militäreinsatz sei notwendig, um die terroristische Gefahr aufzuhalten. Sie bedrohe nicht nur Mali und Afrika, sondern auch Frankreich und Europa. Befürchtet wird, dass sich Mali nach dem Putsch in der Hauptstadt Bamako im März 2012 immer stärker zu einem Zentrum des internationalen Terrorismus entwickelt.

Franzosen als Geiseln

Frankreich hatte in den vergangenen Monaten einen Militäreinsatz in der früheren Kolonie auch unter dem Hinweis hinausgezögert, die Sicherheit der Landsleute sei in Gefahr. Nach Medienangaben befinden sich derzeit sieben französische Geiseln in der Gewalt der Aufständischen. Zuvor war die Rede von zwei entführten Franzosen gewesen.

Präsident Hollande kündigte an, die Militäraktion werde so lang dauern wie notwendig. Zuvor hatte der malische Interimspräsident Dioncounda Traoré in einem Brief an Hollande und UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon um Hilfe gebeten. Traoré dankte Hollande nunmehr telefonisch für den Einsatz. Er verschob einen für Mittwoch geplanten Paris-Besuch. Hollande berief für den Nachmittag den nationalen Verteidigungsrat des Landes ein, um über die Lage in Mali zu beraten.

Vormarsch der Rebellen

Die Situation in dem westafrikanischen Land spitzte sich zuletzt mit dem Vormarsch der Rebellen aus dem Norden auf die Stadt Mopti zu. Die Großstadt gilt als Tor zum Süden des westafrikanischen Landes, das doppelt so groß wie Frankreich ist.

Der Einsatz Frankreichs wurde auch von den Nachbarstaaten Malis begrüßt. Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) bereitet sich seit längerem auf die Entsendung einer 3.500 Mann starken Truppe nach Mali vor. Allerdings gibt es in Mali Vorbehalte gegen den Einsatz von Soldaten aus den Anrainerstaaten. Zumindest die Armee von ECOWAS-Mitglied Nigeria unterstützt die Regierungstruppen in Mali aber bereits. Allerdings seien keine Kampftruppen im Einsatz, es werde nur technische Hilfe geleistet, teilte ein Präsidentensprecher mit.

Blauhelme für Mali

Der UNO-Sicherheitsrat soll nach dem Willen Frankreichs schnellstmöglich den Weg für eine Blauhelm-Truppe freimachen. Die Umsetzung einer entsprechenden Resolution müsse "beschleunigt" werden, hieß es in einem in New York übergebenen Schreiben Frankreichs. Wann der Einsatz beginnen kann, für den der Sicherheitsrat schon Ende des Jahres grundsätzlich Grünes Licht gegeben hatte, ist aber noch unklar. Angesichts des Vormarsches der islamistischen Rebellen hatte der Rat in New York am Donnerstag die schnelle Entsendung einer afrikanisch geführten Militärmission gefordert.

Auch die USA erwägen ein Eingreifen in Mali. Washington könnte logistische Hilfe liefern und Geheimdienstinformationen bereitstellen, sagte ein US-Regierungsvertreter am Freitag. Zu den Optionen zähle auch der Einsatz von Aufklärungsdrohnen. Die USA teilten das französische Ziel, "Terroristen einen sicheren Rückzugsort in der Region zu verwehren".