Bamako/Wien. Die Flagge der alten Kolonialmacht Frankreich taucht in Mali plötzlich wieder auf. In der Hauptstadt Bamako verkaufen zahlreiche Straßenhändler die Tricolore, zahlreiche Autofahrer schmückten schon ihre Fahrzeuge damit. Und ein Kommentator im Internet verfasste Lobeshymnen auf den französischen Präsidenten: "Papa Hollande, tausend Dank. Das ganze malische Volk würdigt Ihren Mut und Ihre Durchsetzungskraft."

Fast schon euphorisch wird die Intervention Frankreichs begrüßt - nachdem die militanten Islamisten immer weiter vorgerückt waren, herrschte Angst, dass die Gotteskrieger bis in die Hauptstadt vordringen könnten.

Europa und Afrika haben dieselben Sorgen

Und nicht nur auf den Straßen Bamakos traf das Vorgehen Frankreichs auf breite Zustimmung: Sowohl europäische als auch afrikanische Staatschefs betonten, dass der Schritt notwendig gewesen sei. Denn die Sicherheitsbedenken sind auf beiden Kontinenten dieselben: Nordmali drohte zu einem sicheren Hafen für radikale Islamisten zu werden, von wo aus diese Anschläge in der ganzen Welt planen können. Zudem könnten die Islamisten mit einer Operationsbasis in Nordmali auch andere Länder in dieser ohnehin unruhigen Region noch stärker destabilisieren.

Sei es Algerien, wo in den 1990er Jahren ein Bürgerkrieg zwischen dem Militär und Islamisten herrschte und wo Gotteskrieger noch heute im Untergrund operieren. Sei es Nigeria, wo die Salafisten-Sekte Boko Haram immer wieder christliche Kirchen in die Luft sprengt und staatliche Einrichtungen angreift. Oder seien es Niger und Mauretanien, zwei bitterarme Staaten, in denen es in der Vergangenheit ständig zu Aufständen und Putschen kam.

Die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas will nun etwa 3300 Soldaten nach Mali entsenden. "Mit ihrem Einsatz wollen die umliegenden afrikanischen Staaten den Gotteskriegern eine Botschaft senden, dass die Islamisten, wo immer sie sich ausbreiten wollen, mit einer heftigen Antwort zu rechnen haben", sagt der Polit-Analyst David Zounmenou vom in Südafrika beheimateten "Institut für Sicherheitsstudien". "Die Islamisten selbst rechneten nicht mehr damit, dass noch jemand intervenieren wird und sahen sich schon immer mehr im Vorteil", berichtet der Mali-Experte gegenüber der "Wiener Zeitung".

Zudem stehen die westafrikanischen Staaten vor der Aufgabe, ihre - sehr durchlässigen - Grenzen stärker zu bewachen. Denn die Gotteskrieger in Mali sind zumeist keine Malier. Ihre Soldaten kommen aus aller Herren Länder - aus dem Nahen Osten und auch gerade aus den Nachbarländern Malis wie etwa Algerien. Nun könnten die Kämpfer wieder in ihre Heimatländer zurückkehren und dort für Unruhe sorgen.