In der französischen Militärintervention in Mali sehen die geschwächten Tuareg-Rebellen im Norden des Landes ihre Chance auf ein Wiedererstarken in dem Konflikt. "Wir unterstützen vollkommen den französischen Lufteinsatz. Natürlich sind wir bereit, der französischen Armee zu helfen und die Arbeit am Boden zu machen", sagte Moussa Ag Assarid von der Nationalen Bewegung für die Befreiung von Azawad (MNLA) der Nachrichtenagentur AFP. Die MNLA habe "die Männer, die Waffen und vor allem den Willen, mit dem Terrorismus in Azawad aufzuräumen."

Die säkular ausgerichtete MNLA tritt für das Recht der Tuareg auf Selbstbestimmung in Azawad ein. So bezeichnen die Tuareg ihr ausgedehntes Siedlungsgebiet im Norden Malis und den angrenzenden Staaten. Im Jänner 2012 hatten sich die Rebellen, gestärkt durch die Rückkehr tausender Söldner aus Libyen, gegen die Regierung in Bamako erhoben. Ende März meuterten unzufriedene Soldaten in Bamako und stürzten den langjährigen Präsidenten Amadou Toumani Toure. In dem folgenden Machtvakuum gelang es der MNLA und verbündeten islamistischen Gruppen innerhalb weniger Tage, den gesamten Norden Malis unter ihre Kontrolle zu bringen. Doch der Triumph der MNLA währte nur kurz: Eine nach der anderen verloren sie die wichtigen Städte Gao, Kidal und Timbuktu an die Islamisten, die dort die Scharia ausriefen.

Interne Rivalitäten

Nachdem die MNLA im Juni aus den wichtigsten Städten vertrieben worden waren, versuchte sie Mitte November, Gao von der islamistischen Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (MOJWA) zurückzuerobern. Doch ihr Angriff wurde blutig zurückgeschlagen. Stark geschwächt erklärte sie sich im Dezember zu Verhandlungen mit der Regierung in Bamako bereit. Heute kontrolliert die MNLA nur noch die Ortschaften Tinzawatane und Achibriche im äußerten Norden Malis an der Grenze zu Algerien.

"Die MNLA war Anfang 2012 sehr populär, doch sie hat sich durch ihre internen Rivalitäten und ihr Vorgehen diskreditiert", sagt der französische Experte Alain Antil. Ihren Kämpfern wurden Plünderungen und Vergewaltigung vorgeworfen. Zudem begingen sie den Fehler, Waffen an die Islamisten zu verkaufen. "Natürlich haben sie extrem gute Ortskenntnisse, doch werden sie sich jede Hilfe bezahlen lassen", sagt Antil, für den ernste Zweifel an der Loyalität, aber auch an den militärischen Fähigkeiten der Tuareg-Rebellen bestehen.

Guerillakampf

Dennoch glaubt der Tuareg-Experte Pierre Boilley, dass die MNLA noch eine Rolle spielen kann. "Sie sind bereit, ihre Dienste den Franzosen anzubieten, wenn man ihnen eine politische Perspektive im Einklang mit ihren Forderungen anbietet", sagt Boilley. Die MNLA habe die nötigen Kämpfer und das Material, nicht jedoch den Treibstoff oder die Munition. Die MNLA selbst hebt hervor, ihre "tausenden Männer" seien kampferprobt, motiviert und in den Techniken des Guerillakampfs in der Wüste erfahren.

Nach Ansicht Boillys ist es nicht ausgeschlossen, dass die MNLA mit der geplanten Eingreiftruppe der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) kooperiert. Für eine Zusammenarbeit mit der malischen Armee dagegen sieht er keine Chance. "Sie haben Angst und sie haben damit nicht unrecht", sagt Boilly, der auf die schlechten Erfahrungen der Tuareg mit der malischen Armee verweist. Der MNLA-Vertreter Moussa Ag Assarid sagt denn auch, ohne vorherige Einigung würden sie keine malischen Truppen in Azawad akzeptieren.