Warten auf den Kampfeinsatz: Französische Soldaten am Flug hafen in Malis Hauptstadt Bamako. - © ap
Warten auf den Kampfeinsatz: Französische Soldaten am Flug hafen in Malis Hauptstadt Bamako. - © ap

Bamako/Paris/Washington. Französische Truppen kämpfen jetzt auch am Boden gegen Malis Islamisten. Die Ex-Kolonialmacht will dem Vormarsch der Rebellen in Richtung Süden einen Riegel vorschieben; das langfristige Ziel besteht darin, die Extremisten mit Verbindungen zur Al-Kaida aus dem ganzen Land zu vertreiben. Die Bodeneinheiten sind aus Frankreich und anderen afrikanischen Staaten eilig zusammengezogen worden.

In Paris geht man davon aus, dass das Unternehmen kein Spaziergang wird: "Wir stehen jetzt besser da als in der Vorwoche", so Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian, "aber der Kampf wird lange dauern." Die strategisch wichtige Stadt Diabaly im Zentrum Malis ist angeblich bereits von französischen Spezialeinheiten eingekesselt, gestern war dort nach Pariser Angaben ein Kampf "Mann gegen Mann" im Gange.

800 Franzosen sind im Rahmen der "Operation Serval" im Einsatz, bis zu 2500 könnten es noch werden. Bei den Soldaten handelt es sich um Marineinfanteristen und Fremdenlegionäre. Sie werden von 40 Radpanzern und Jagdbombern unterstützt.

Die Islamisten leisten hartnäckig Widerstand und lassen sich durch die Luftangriffe nicht vertreiben. Sie hielten am Mittwoch immer noch die Stadt Konna, deren Eroberung durch die Rebellen Auslöser für die Intervention Frankreichs war. Im nördlichen Teil des Landes haben sie sich nach französischen Luftangriffen zwar aus den wichtigen Städten Gao, Kidal und Timbuktu zurückgezogen - das aber rein aus strategischen Gründen, wie es heißt. Jetzt verschanzen sie sich in der bergigen Region an der Grenze zu Algerien.

Islamisten verschleppen BP-Mitarbeiter

Der erste Tote des Krieges wird in Paris beigesetzt. - © ap
Der erste Tote des Krieges wird in Paris beigesetzt. - © ap

Just in Algerien sind am Mittwoch sieben Ausländer verschleppt worden, unter den Geiseln befinden sich angeblich Japaner und ein Franzose. Ein weiterer Franzose soll tot sein, die Rede ist auch von Verletzten. Die Opfer haben auf einem Erdgas-Feld des Ölkonzerns BP gearbeitet. Dass die Tat einen Zusammenhang mit dem Krieg in Mali hat, liegt für Beobachter auf der Hand.

Um die Islamisten zu besiegen, müssten diese vollständig aus Mali vertrieben werden, sagen Experten. Davon sind die Franzosen noch weit entfernt. Vorerst werden die Kommandostellen der Rebellen und Panzerfahrzeuge, die sie der malischen Armee abgenommen haben, bombardiert.

Die malischen Regierungstruppen unterstützen die französischen Soldaten, sie sind aber als wenig kampfstark und demoralisiert bekannt. Deshalb will in den kommenden Wochen eine EU-Ausbildner-Mission eingreifen. Starten könnte der Einsatz, der heute beschlossen wird, frühestens Ende Februar. In Brüssel geht man wie in den Pariser Planungsstäben offenbar davon aus, dass der Krieg lange dauern wird. Auch die Westafrikanischen Wirtschaftsunion Ecowas lässt sich noch Zeit. 3300 Soldaten will man nach Mali schicken, sie sollen jeden Moment dort auftauchen. Deutschland will für den Transport zwei Transportflieger zur Verfügung stellen.

Die Franzosen stehen in Mali einer schlagkräftigen Allianz aus drei großen Islamisten-Gruppen gegenüber: Die Al-Kaida im islamischen Mahgreb, die extremistischen Ansar Dine und die Mujao-Jihadisten (MOJWA). Die französische Armee sei mit der Guerilla-Taktik dieser Rebellen bestens vertraut, so Frankreichs Armeechef Edouard Guillaud. Er beschuldigte die Rebellen, Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Frankreich würde nicht angreifen, wenn auch nur der geringste Verdacht bestehe, dass Unbeteiligte zu schaden kämen, so Guillaud. Der TV-Sender Al-Arabiya hat zuletzt berichtet, dass bei den französischen Bombardierungen auch Kinder getötet worden seien.