Algier/London/Tripolis. Algeriens Gasfeld "In Amenas", wo islamistische Kämpfer Dutzende von ausländischen Arbeitnehmern festhalten, ist das Herzstück einer Öl- und Gasregion, die in den vergangenen Jahren internationale Unternehmen angezogen hat, teils wegen seiner militärischen Sicherheit.

"Es sei bemerkenswert für diese Gruppe (der Geiselnehmer, Anm.), dass sie dort angegriffen hat, trotz der enormen Sicherheit. Selbst ich als Algerier benötige eine besondere Erlaubnis, um dorthin zu gehen", sagte Azzedine Layachi, ein algerischer Politikwissenschaftler.

Das Ereignis in dieser Woche kann die Wahrnehmungen einer Ölindustrie ändern, die Milliarden von Dollar an ausländischen Investitionen angezogen hat, seit Algeriens Regierung einen islamistischen Aufstand in den 1990er Jahren niedergeschlagen hat. Das wiederum könnte zu Schwierigkeiten für eine Regierung, die auf Öl- und Gas-Einnahmen angewiesen ist, führen. Algerien ist für die Weltmärkte ein wichtiger Lieferant eines speziellen Rohöls, das sich besonders gut zur Herstellung von Benzin eignet.

Die "In Amenas"-Gasanlage, die von BP, Norwegens Statoil und OPEC-Mitglied Algerien betrieben wird, wurde am Mittwoch von Militanten angegriffen. Sie entführten Dutzende von Ausländern als Vergeltung für Frankreichs Intervention in Mali. Bei einer militärischen Razzia am Donnerstag zur Beendigung der Krise wurden laut Medienberichten auch mehrere Geiseln getötet.

Sicherheitslage gekippt
"Im Laufe des letzten Jahrzehnts war Sicherheit immer weniger ein Faktor zur Besorgnis. Zum ersten Mal in einem Jahrzehnt ist die Sicherheitslage gekippt, was Bestürzung unter den internationalen Ölfirmen auslöst", sagte Geoff Porter, Direktor von Nordafrika Risk Consulting.

Der Fall "In Amenas" ist der erste Großangriff auf einen algerischen Energie-Komplex, woraufhin BP, Statoil und Spaniens Cepsa begannen, ihr Personal zu evakuieren, obwohl sich einige ihrer Projekte Hunderte von Kilometern entfernt befinden.

Die algerische Öl- und Gasindustrie beschäftigt dort durch die staatliche Ölfirma Sonatrach mehr als 100.000 Mitarbeiter. Sie betreibt die größten Öl- und Gasfelder, einschließlich des Feldes mit den meisten Ölvorkommen des Landes, Hassi Messaoud in der Mitte des Landes.

Sonatrach hat ausländische Investitionen seit den späten 1990er Jahren nach dem Ende des Bürgerkriegs gefördert, der schätzungsweise 200.000 Menschen das Leben kostete. Als Ergebnis wagten sich Ölkonzerne in abgelegene und schwierige Gebieten an der Grenze zu Mali und Libyen, einschließlich In Amenas, vor.

"Das Militär sicherte die Bereitstellung der Sicherheit für die Ölgesellschaften in der Wüste, und die Leute fühlten sich sicher in die Wüste zu fliegen", sagte John Hamilton von der CBI-Forschung, ein Afrika-Spezialist.

Zu den großen ausländischen Investoren zählen Spaniens Cepsa, US Anadarko, Italiens Eni, sowie BP, Statoil, Total und Maersk. Große Öl-Service-Unternehmen wie Halliburton beschäftigen ebenfalls internationale Mitarbeiter.

Die meisten großen Felder sind weit entfernt von In Amenas und sind vermutlich noch gut vor Angriffen isoliert. Mehrere Öl-Experten sagten, die größten Risiken seien für die Felder in der Nähe In Amenas in der südlichen Illizi Provinz, wo Eni, BP und Statoil agieren.

"Das beunruhigende Szenario wäre, dass die Islamisten als nächstes über die Grenze nach Libyen kommen. Die libysche Regierung ist gebrochen und das Militär zu schwach, um effizient zu sein", sagte er. Mit der militärischen Intervention Frankreichs in Mali wachsen die Risiken auf ein Umlagern der Jihadisten, viele von ihnen werden wahrscheinlich in Libyen Zuflucht suchen.

"Der schlimmste Fall wäre, dass die libysche Übergangsregierung zusammenbricht und wir eine Rückkehr der großen Kämpfe zwischen den Stämmen und Fraktionen sehen, und die libysche Produktion deutlich abfällt", sagte Richard Mallinson von Energy Aspects. (apa/Reuters)