Bamako. (dpa/afp/reu/hes) Die Kämpfe im Norden Malis, der seit März von islamistischen Rebellen kontrolliert wird, werden eine Flüchtlingswelle ungeahnten Ausmaßes auslösen, befürchtet die Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen (UNHCR): Bis zu 700.000 Menschen würden durch die Eskalation der Gewalt aus ihrer angestammten Heimat vertrieben. Davon könnten 400.000 in den nächsten Monaten in Nachbarländer wie Mauretanien, Niger, Burkina Faso, Togo und Algerien flüchten, sagte eine Sprecherin in Genf.

Unterdessen sind die französischen Soldaten in Mali mit unerwarteten Problemen konfrontiert. Die Islamisten würden in der umkämpften Stadt Diabaly Zivilisten als menschliche Schutzschilder missbrauchen, schrieb die "New York Times". Die französischen Einheiten hätten darauf hin den Häuserkampf eingestellt.

Am Abend kam dann die Meldung, die Terroristen seien aus Diabaly geflüchtet, auch die strategisch und symbolisch wichtige Stadt Konna sei wieder unter Kontrolle der malischen Armee.

Frankreich hat in Mali 1400 Soldaten im Einsatz. Die Zahl soll aber bald auf 2500 steigen. Die Stärke der islamistischen Rebellen sei anfangs unterschätzt worden, sagte ein französischer Diplomat zur Nachrichtenagentur Reuters.

Drohen längere und verlustreiche Kämpfe, könnte die internationale Bereitschaft, Truppen zu entsenden, weiter sinken. Die Geiselnahme in Algerien hat klar gemacht, dass es sich nicht um einen lokalen Konflikt handelt, sondern ein Flächenbrand in der Sahelzone und im Maghreb droht.

Immerhin nimmt eine Eingreiftruppe der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas für den Kampf gegen die islamistischen Milizen Form an: 2000 Soldaten der Internationalen Unterstützungsmission für Mali (Misma) sollen bis 26. Jänner in Bamako eintreffen.

Die EU startet - wie berichtet - eine Militärmission zur Ausbildung der malischen Streitkräfte. Ab Mitte Februar sollen 2000 Ausbilder und 250 weitere Soldaten entsandt werden. Die Frage, ob sich Österreich beteiligen soll, sorgt innerhalb der Regierung für Streit. "Ich halte es für falsch, von vornherein eine österreichische Beteiligung an der Ausbildungsmission der EU auszuschließen", meinte dazu Außenminister Michael Spindelegger. Österreich könnte Experten beisteuern.

Spindelegger spielte aber den Ball gleich weiter: Der Antrag müsste von Verteidigungsminister Norbert Darabos kommen, von dem er sich einen Vorschlag erwarte. Darabos winkte jedoch ab. Er habe keine Scheu vor schwierigen Missionen, verwies aber auf die bereits laufenden Missionen: "Wir sind derzeit mit unseren Hotspots, Stichwort Libanon, Golanhöhen oder Westbalkan, voll ausgelastet."