Tuareg aus Mali spielen in London - hoffentlich bald auch wieder in ihrer Heimat. - © reuters
Tuareg aus Mali spielen in London - hoffentlich bald auch wieder in ihrer Heimat. - © reuters

Bamako. (dpa) "Stellen Sie sich ein Land ohne Musik vor", sagt Thialé Arby. Ein dunkler Turban schmückt seinen Kopf. Arby ist ein Musiker aus Timbuktu. Seit einigen Jahren aber lebt der aufstrebende Sänger in Malis Hauptstadt Bamako. Dort darf er Musik machen. Seine Landsleute im Norden konnten das lange Zeit nicht.

Etwa zehn Monate hatten Islamisten Arbys Heimatstadt und den Rest Nordmalis kontrolliert. Sie führten die Scharia ein, verbannten Musik als unislamisch und brachten die Instrumente zum Schweigen. "Ich nenne sie nicht Islamisten", sagt Arby, "das sind keine guten Muslime, das sind Banditen."

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In diesen Tagen aber schöpfen Malis verstummte Musiker Hoffnung. In Zukunft soll in ihrem Land wieder Musik ertönen, wünschen sie sich. Denn die von Frankreich geführte Militäroffensive gegen religiöse Fanatiker im Norden kommt voran. Allmählich weicht ihre Angst vor einer Teilung Malis der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. "Ohne Frieden aber wird es keine Musik geben."

Dabei hat die Musik in Mali einen hohen Stellenwert. "Sie begleitet alle Zeremonien: Heirat, Beschneidung, die Koranlesungen", sagt Baba Salah, selbst ein gefeierter Musiker in Mali. In dem großen Wohnzimmer in seinem Haus in Bamako sitzt Salah ruhig auf dem Boden. Vor einigen Wochen war das noch anders.

Als es Anfang Jänner so aussah, als könnten die Islamisten Malis Hauptstadt einnehmen, habe er schon seine Flucht geplant. Doch dann kamen die Franzosen. "Ich danke François Hollande, dem Präsidenten Frankreichs. Er hat eine sehr, sehr mutige Entscheidung getroffen (...), ohne die wir heute nicht über Mali sprechen würden", sagt der leidenschaftliche Gitarrist.

Viele seiner Kollegen seien aus dem Norden geflohen und lebten nun wie er in Bamako oder in Nachbarländern. Als die Islamisten im Juni Salahs Heimatstadt Gao eroberten, zerlegten viele Musiker ihre Instrumente in kleine Einzelteile und schmuggelten sie auf diese Weise an den Islamisten vorbei, erzählt er.

Malische Künstler wie Amadou & Mariam und Salif Keita haben es zu internationalem Ruhm gebracht. Doch die Musikszene des Landes erlitt letztes Jahr einen Rückschlag: Das beliebte Musikfestival in der Sahara, das "Festival der Wüste" bei Timbuktu, war abgesagt worden. Nun aber haben sich rund 40 malische Künstler zusammengetan und ein Lied für ihr Land aufgenommen. Die Künstler fordern Frieden; ihr Lied haben sie "Mali-ko" genannt - "eine malische Angelegenheit".