Bamako/Timbuktu/Paris. (afp/apa) Nach dem Einmarsch in Mali will sich Frankreich möglichst schnell wieder aus dem Land zurückziehen. Nötig ist dazu einerseits die militärische Stabilisierung vor allem im Norden Malis: "Wir wollen schnell von den Truppen der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas abgelöst werden", hob der französische Außenminister Laurent Fabius am Montag hervor. Andererseits ist auch ein politischer Aussöhnungsprozess unerlässlich, der in freie Wahlen im Sommer münden soll. Beides ist nicht einfach zu bewerkstelligen.

Auf militärischem Gebiet können die Franzosen seit ihrer Intervention Mitte Jänner große Erfolge vermelden: Der Norden Malis, den islamistische Gruppen monatelang beherrscht hatten, ist weitestgehend unter ihrer Kontrolle. In Kidal sind nach französischen Angaben 1800 tschadische Soldaten eingezogen, die Afrikaner sollen die ehemalige Islamisten-Hochburg sichern. Die ersten französischen Soldaten haben Timbuktu bereits wieder verlassen und das Kommando an die malische Armee übergeben. Selbst in der schwer zugänglichen Gebirgsregion an der Grenze zu Algerien, in die sich Anführer der Islamisten geflüchtet haben, lässt die französische Armee nicht locker. Fabius machte deutlich, dass die Armee dort derzeit "sehr effizient" den Nachschub der Islamisten unterbreche.

Ziel ist es, dass über kurz oder lang die malische Armee zusammen mit der westafrikanischen Misma-Truppe, die im Moment stationiert wird, und Soldaten aus dem Tschad das Land kontrolliert. Doch hier beginnen die Schwierigkeiten: In der Stadt Kidal im Norden lehnen die bewaffnete Tuareg-Truppe MNLA sowie die gemäßigte Abspaltung der islamistischen Tuareg-Gruppe Ansar Dine, die MIA, eine Stationierung malischer und westafrikanischer Soldaten ab. MNLA und MIA unterstützen zwar die Intervention der Franzosen, doch unter der malischen Armee befürchten sie blutige Racheakte gegen "Weiße" - also Tuareg und Araber.

Berichte über Gräueltaten der malischen Armee gefährden die militärische, aber auch die politische Stabilisierung im Land. Denn vor allem die Tuareg der laizistischen MNLA, die zwar an dem Aufstand gegen die Zentralregierung beteiligt waren, dann aber selbst von den Islamisten vertrieben wurden, gelten als wichtige Gesprächspartner für den Übergang. Dass zwei hochrangige Islamisten-Führer am Sonntag im äußersten Norden offenbar von der MNLA festgenommen wurden, wird von deren Organ "Tamazgha" im Internet als eine Geste politischer Kooperation dargestellt.