"Wiener Zeitung": Österreich schickt neun Bundesheer-Angehörige, Ärzte und Sanitäter, nach Mali. Ist das ein wertvoller Beitrag zur EU-Mission?

Stefan Brocza: Der Auftrag der EU-Mission ist es, malische Militärs auszubilden, sie kampffähig zu machen, sie anzuleiten. Ich weiß nicht, ob die geplanten 200 Ausbilder neun Ärzte brauchen.

Es heißt, dass die Österreicher in Bamako auch die örtliche Bevölkerung versorgen könnten.

Das ist nicht Teil des Mandats.

Das sieht jetzt so aus, als würde sich Österreich an der eigentlichen Mission vorbeischummeln?

Ja.

Aber was wollen dann Kanzler Faymann und Vizekanzler Spindelegger mit ihrem österreichischen Beitrag? Geht es da eher um innenpolitisches Kleingeld?

Wenn der Einsatz gut geht, kann sich Außenminister Spindelegger auf die Schulter klopfen. Wenn es schlecht geht, ist
der Herr Verteidigungsminister schuld. Es gibt außerdem einen allgemeinen Drang der Österreicher, bei solchen Missionen mitzumachen. Das ist ein Impuls der Militärs, überall wenigstens einen Mann hinzuschicken.

Zur Situation in Mali. Dort haben die Franzosen alle Fäden in der Hand, sie wollen aber bald wieder abziehen und sich nicht - siehe Afghanistan - in einen jahrelangen blutigen Kleinkrieg verstricken lassen. Wie realistisch ist es, dass die EU die malische Armee in wenigen Monaten so ausbildet, dass sie die Islamisten in Schach halten kann?

Das ist unrealistisch. Natürlich funktioniert das nicht.

Das heißt, das kann eine Neverending Story werden?

Da gibt es das Beispiel der US-Amerikaner, die vor Jahren Schulungseinrichtungen in Mali betrieben haben. Das waren die berühmten fünf Bataillone. Vier davon sind dann sofort zu den Aufständischen übergelaufen. Aber abseits davon: Jeder Militär wird Sie fragen, was Sie in drei bis vier Monaten wirklich ausrichten wollen.

Die Islamisten haben nicht sehr heftig gekämpft und sich zurückgezogen. Die Franzosen behaupten, alle Städte erobert zu haben. Wie geht es jetzt weiter?

Mali bleibt ein Unruheherd. Es bleibt unklar. Schauen Sie sich Somalia an, der Konflikt dort ist auch ungelöst. Das wird die nächsten Jahre unklar bleiben. Auch wenn die Franzosen in Timbuktu sitzen, eine Stunde außerhalb sieht die Sache anders aus.

Kann es eine politische Lösung in Mali geben?

Ich sehe mittelfristig keine Lösung. Dass das dort ein Unruheherd ist, hat man lange genug gewusst. Es war zunächst organisierte Kriminalität, Drogen, Schmuggel, Menschenhandel. Wenn Sie Menschen entführt und sich Al-Kaida genannt haben, haben Sie mehr Lösegeld bekommen, eine Art Etikettenschwindel. Jetzt aber bekommt das wirklich ein ganz anderes Niveau.