Auch kommunikative Fähigkeiten seien dabei gefragt, betont Friseurin Andrea Brunner, Lehrkraft und Mitinitiatorin des Styling-Events, denn: "Wir kommen bei unserer Arbeit sehr nahe an die Menschen heran. Für manche sind wir gleichzeitig auch Seelenbetreuer und Psychologen. Viele Gespräche starten mit Small Talk, und dann erfahren wir innerhalb von Minuten, dass der Hund krank ist, die Schwester im Spital liegt oder der Opa gestorben ist."

Während sich im Friseurberuf auch immer mehr junge Männer ausbilden lassen, sind es bei den Kosmetikerinnen zu 99 Prozent Frauen. Dieser Beruf kann in drei Jahren als Doppellehre gemeinsam mit jenem der Fußpflegerin abgeschlossen werden. "Ich habe erst später gemerkt, dass ich in der Lehre auch Fußpflege dabei habe, aber mittlerweile macht mir das Spaß. Auch wenn ich nur als Kosmetikerin arbeiten werde", sagen Veronika und Yvonne, beide im dritten Lehrjahr. Und: "Es macht mir Freude, wenn ich sehe, dass Leute nach der Behandlung wieder ohne Schmerzen gehen können", ergänzt Kollegin Nicole.

Fremde Füße

Dass fremde Füße anzugreifen nicht jedem liegt, bestätigt Berufsschullehrer Jürgen Kellner: "Zur Fußpflege muss man geboren sein", ist er überzeugt. Er kritisiert, dass der Beruf der Kosmetikerin und Fußpflegerin einzeln in jeweils nur zwei Lehrjahren absolviert werden kann. "Die jungen Leute arbeiten dabei am Menschen und müssen in kürzester Zeit so heikle Anwendungen wie Fruchtsäure- oder Hochfrequenzbehandlungen in Theorie und Praxis erlernen. Wir wissen nicht mehr, wie wir all die Lehrinhalte in der kurzen Zeit unterbringen sollen. Bei der Lehrabschlussprüfung müssen sie aber abrufbar sein."

Im Gegensatz zu anderen Lehrberufen gebe es bei den Friseuren genug Lehrstellen, sagt Karin Dopplinger, Innungsmeisterin der Landesinnung Wien der Friseure. Die Lehrlingszahlen seien rückläufig. Das liege zum einen an der mangelnden Disziplin vieler Interessentinnen, die sich das Berufsleben anders vorstellen, aber auch am Einfluss der Eltern: "Viele Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder höhere Schulen besuchen und dann studieren, auch wenn die Leidenschaft als wichtigste Voraussetzung für den Friseurberuf da ist. Es gibt viele, die die Lehre dann mit 18 nachholen, weil sie sagen: ‚Jetzt kann ich endlich das machen, was ich will.‘"

Dabei sei Friseurin oder Kosmetikerin ein krisensicherer Beruf, der immer und überall gebraucht werde, so Dopplinger, denn: "Was wäre eine Oscarnacht oder eine Fashionshow ohne Friseurin oder Kosmetikerin? Und wie ein Kollege treffend sagte: Wir werden mit Kamm und Schere nicht die Welt verbessern, aber mindestens zehn Menschen pro Tag glücklich machen."